Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Griechen und Römer
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-879683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-880979
Die 
Göttergestalteln. 
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den sind und den Standpunkt gefunden haben, aus welchem 
diese Göttergestalten betrachtet werden müssen, so lin- 
den wir in der That in ihnen alles Menschliche, was 
einer göttlichen Natur nicht unwürdig ist, dargestellt; 
freilich und selbst glücklicher Weise nicht in abstract 
allgemeinen Personiiieationen , sondern in bestimmten, 
durch die historische Entwickelung der griechischen Sage 
individuell ausgebildeten Figuren. Der Unterschied unsrer 
modernen räuffassuilgsiwreise von der antiken, auf den es 
hicbei ankommt, ist, glaube ich, darin zu suchen, dass 
wir Neuern die individuellen Charakterzüge überall zu- 
nächst als Erzeugnisse oder Eigenschaften der unkörper- 
liehen, und daher auch gesehleehtlosen Seele ansehen, 
und erst zusätzlich und gleichsam durch eine Concession 
den Einfluss und die nothwendige Verschiedenheit beider 
Geschlechter berücksichtigen. Dem antiken Sinne lag 
solche Trennung fern; auch die geistigen Eigenthümlich- 
keiten galten ihm nur als Auslliisse und Modificationen 
des natürlichen Unterschiedes der Geschlechter. Eine 
solche Beobaehtungsweise giebt schon in moralischer 
Beziehung einen Vortheil , indem sie die Unterschiede 
vereinfacht, jede weichliche Berücksichtigung launenhafter 
Verzerrungen ausschliesst, und Alles von dem Willkür- 
lichen und Zufälligen auf das Naturgemässe und Nothwen- 
(lige zurückführt. Noch viel grösser aber ist der Vorzug, 
den sie der bildenden Phantasie gewährt; denn diese hat 
darin ein Mittel den geistigen Ausdruck mannigfaltiger 
Charaktere durch die Beziehung auf die Formen der Ge- 
schlechter mit höchster Klarheit und Sicherheit darzustellen. 
Betrachten wir die Gestalten jenes Kreises unter 
diesem Gesichtspunkte, so finden wir zunächst solche, 
in welchen die Züge, die dem einen beider Geschlechter
        

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