Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835851
Die 
Malerei. 
71 
Beziehung entspricht ein Abnehmen in materieller. Denn 
die Architektur hat noch die grobe, schwere, gmsse 
Masse der Wirklichkeit, die Sculptur noch die äussere 
fühlbare Gestalt, die Malerei nur den Schein. Wenn 
hienach die Malerei die höchste, geistigste, unmateriellste 
der drei bildenden Künste ist, so ist damit auch eine 
Gefahr verbunden. Sie steht nicht mehr völlig in dem 
Maasse, wie die Sculptur, in der Mitte des Kunstgebie- 
tes, sondern auf der Gränze, Wo ein Uebergehen in die 
XVirklichkeit eher zu befürchten ist. In geistiger Be- 
ziehung hat sie die weitere und reichere Aufgabe, den 
lilenschen in seiner höheren, subjeetiven Freiheit aufzu- 
fassen. Mit der Freiheit des Geistes im Körper ist aber 
auch die Gefahr der Sünde gegeben. Die Architektur 
ist die reinste Kunst, weil sie keinen Willen ausspricht. 
Die Willkühr ist von ihr ausgeschlossen, sie erscheint 
nur als Fehler des Architekten, nicht als Bestandtheil 
des schönen XVerkes. In der Sculptur hängt unläugbar 
selbst für den gröbern Sinn, die Schönheit mit Reinheit 
und Strenge zusammen. Die Malerei dagegen liebt reiche 
Motive, sie kann die Hässlichkeit als Contrast gebrau- 
chen und in das Sinnliche übergehen. Die Architektur 
gränzte noch an das Erhabeixc, die Malerei kann schon 
zum bloss Angenehmen herabsinken. Praktisch wichtig" 
ist besonders der Gegensatz zwischen der Malerei und 
Sculptur, da wo beide eine scheinbar gleiche, in Wahr- 
heit aber sehr verschiedene Aufgabe haben, bei der 
Darstellung des einzelnen Menschen. In der Sculptur, 
weil sie auf diese Gestalt beschränkt ist, fallt die Schön- 
heit des Werkes mit der natürlichen Vollendung (les 
Körpers zusammen; was diesen gesund, in vollem Gleich- 
maasse sinnlicher und geistiger Kräfte, nach Gcsßhlßvllt
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.