Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835849
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Einleitung. 
lieh in der Natur des Gegenstandes. In der Malerei wie 
in der Architektur scheint das Einheitsprinzip einiger- 
massen ausserhalb des Gegenstandes zu liegen; der 
Gegenstand ist dieser Schönheit wohl fahig, er bringt 
sie aber nicht aus sich selbst, und aus eigener Wurzel 
hervor, sondern sie kommt durch eine äussere Kraft, 
die darin wirkt, ins Leben. Das Einheitsprinzip ist daher 
in beiden Weniger natürlich, als in der Sculptur, und 
mehr geistig, es ist eine höhere Ordnung der Dinge. 
Bei dieser Verwandtschaft sind beide darin ver- 
schieden, dass in der Malerei das Einzelne nicht mehr 
die Gestalt des Leblosen hat, sondern auch schon belebt, 
mehr oder weniger selbstständig ist. Sie giebt daher 
ein reicheres Leben als die Architektur; bei dieser war 
es Gesammtleben, mit Ausschluss des Einzellebens, hier 
beruht das Gesammtleben vielmehr auf der Lebensfülle 
des Einzelnen. Man kann in diesem Sinne sagen, dass 
die Architektur eine unvollkommene, vorbereitende An- 
deutung der Malerei, und dass diese die vollkommene 
Ausführung dessen sei, was in der Architektur nur 
geahnt worden. Die Sculptur aber erscheint dann als 
die vermittelnde Kunst, indem sie das Einzelleben in 
einer ähnlichen Art wie die Architektur das Gesammt- 
leben behandelt, und dadurch die Möglichkeit einer Ver- 
bindung beider anschaulich macht. 
Die drei Künste schreiten daher in einer natürlichen 
Ordnung fort, jede folgende fasst ein immer tieferes 
geistiges Prinzip auf. Die Architektur nur das Leben 
üusserer Ordnung, wie es auch in der unorganischen 
Natur erscheint, die Sculptur das Leben des natürlichen 
Organismus, "die Malerei das geistige Gesammtlcben 
der Welt. Diesem steigenden Fortschritte in geistiger
        

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