Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835837
Die Malerei. 69 
Dies Gesammtleben ist nun ein viel geistiger-es, als 
das, welches den beiden andern Künsten zum Grunde lag; 
ßS lässt sich überall nicht in einzelnen, bestimmten, ma- 
teriellen Stoffen nachweisen, es rinnt nicht in bestimmten 
Adern und N ervenFiden, sondern es ist durch die feinste 
Berührung der Dinge mit einander hervorgebracht- Es 
setzt dabei die andern materiellen Regionen voraus, aber 
weil es an ihrer Schwere nicht haftet, und sich nur über 
ihnen, und nachdem sie vollendet sind, entwickelt, so 
haben sie für dies geistigere Leben keine Bedeutung 
durch sich selbst, sondern nur durch ihren Schein, der 
Raum, der Körper nicht wirklich, sondern nur durch seine 
Lichtwirkungen durch Perspective, Schatten und dergl. 
Hierdurch unterscheidet sich die Malerei von den beiden 
andern bildenden Künsten. 
Die Architektur und Sculptur geben die Form wirk- 
lich, die Malerei nur den Schein. Sie hängt aber mit 
jßder von beiden Künsten wieder auf eigenthümliche Weise 
Zusammen, und im Gegensatze gegen die Sculptur kann 
man sagen, dass sie sich der Architektur wiederum 
nähere. Denn in der Sculptur ist der Gegenstand in sich 
Selbst völlig einig, jedes Glied ist untrennbar vom Gan- 
Zen, durch ein Naturgesetz damit verbunden. ln der 
Architektur wie in der Malerei aber erscheinen die Theile 
mehr gesondert; die einzelne Säule ist nicht so noth- 
wendig an dieser Stelle wie Arm oder Fuss an der 
Statue, ebenso aber kann man die einzelne Gestalt im 
Bilde auch unabhängig von der Stelle, welche sie darin 
einnimmt, betrachten. Beide geben ein Gesammtleben, 
Während die Sculptur ein Einzelleben giebt. In der Sculp- 
tur ruht das Prinzip, welches die Erscheinung zu einem 
Ganzen macht, das Einheitsprinzip, völlig und ausschliess-
        

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