Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835824
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Einleitung. 
welcher dies geschieht, in allen diesen Dingen lernen 
wir den Menschen besser kennen, als in seinem Körper 
selbst; dies alles zusammen bildet in einem weiteren 
Sinne den Körper seiner Seele. 
Auch aus diesem Grunde ist es der Malerei natürlich, 
dass sie den Menschen nicht allein, sondern mit seinen Um- 
gebungen, dass sie also einen Ausschnitt der WVelt gebe. 
Dies zeigt uns die Verschiedenheit beider von einer 
andern Seite, als wir sie vorher betrachteten. Man hat 
den Menschen den Mikrokosmos , die WVelt im Kleinen 
genannt, weil sein ganzes Wesen in sich zusammen- 
hängend und selbstständig auf so vielen Kräften, und auf 
der verschiedensten, allerkünstlichsteil Uebereinstimmung 
und Wechselwirkung beruhend ist. Auch deshalb, weil 
sich in ihm die grosse Welt, der Makrokosmos, gleich- 
sam abspiegelt, weil alle die Kräfte, welche hier im 
weiten Raume vereinzelte, gröbere, materiellere WVirkun- 
gen hervorbringen, sich in ihm zusammen linden, um das 
feinste geistigsteErzeugniss der Natur hervorzubringen. 
Jene kleine Welt ist der Gegenstand der Sculptur; die 
Malerei fasst Wieder die Welt im Grossen auf, aber in 
ihrem geistigen Sinne, also nicht bloss mit Beziehung 
auf das materielle geistlose Leben der übrigen Natur, 
sondern in Beziehung auf das geistige Leben der Schöp- 
fung in ihrer Wechselwirkung mit dem Menschen. In 
dieser dritten der bildenden Künste, kommen daher auch 
andere Naturgesetze zur Sprache, als in den beiden an- 
dern. Die Architektur construirte ihr Werk durch die 
Gesetze der leblosen unorganischen, die Sculptur be- 
schränkte sieh auf die Gesetze der belebten Natur, die 
Malerei umfasst das Gesammtleben, also vereint, was 
jene getrennt hatten.
        

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