Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835781
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Einleitung. 
Bestimmung unterschieden. Der Körper des Greises und 
des Jünglings, dessen der zu geistiger, und dessen der 
zu körperlicher Arbeit geeignet ist, ferner der Körper 
der Jungfrau und des mütterlichen Weibes unterscheiden 
sich nicht Weniger aufs Bestimmteste. Diese und ähnliche 
Gattungen stehen daher durch die Regel der Natur fest, 
und auf der Trennung derselben beruht die Ordnung des 
menschlichen Geschlechtes. Statt der einen bestimmten 
Regel der Baukunst hat daher die Plastik für die Zweck- 
mässigkeit und Schönheit der Gestalten nlannigfaltige, 
nach den geistigen und physischen [Tnterschieden der 
Menschen abweichende Rüeksichtexl. 
Alle jene natürlichen Unterschiede gehören auch der 
Seele des Menschen an und prägen sich in ihr aus. Aber 
freilich, sie ist nicht nothwendig daran gebunden, und 
die Gränzen der Gattung werden durch die Freiheit des 
Menschen oft überschritten. Der Jüngling erwirbt sich 
in geistiger Anstrengung die Weisheit, Erfahrung und 
Milde des Greises; das Weib eignet sich manches von 
männlicher Kraft und Selbstständigkeit an. Es ist daher 
klar, dass, wo dies seelenhafte XVesen des Menschen 
vorherrscht, die natürlichen Unterschiede von geringerer 
Bedeutung sind. Es ist aber eben so klar, dass diese 
Erhebung des Einzelnen über die Ordnung der Natur 
sich weniger im ganzen Körper als im vorübergehen- 
den Ausdrucke des Gesichtes zeigen kann. Sie wird, 
wenn die ganze Gestalt erscheint, stets dem Gesichte 
eine stärkere Bedeutung geben, als dem übrigen Körper, 
und daher die Harmonie beider stören. Für die Sculptur 
ist sie deshalb nachtheilig, und diese ist vielmehr an 
die Ordnung der Natur gebunden. Der Geist, welcher in 
ihr lebt, ist daher der Geist einer festen Ordnung. einer
        

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