Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835761
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Einleitung. 
viel stärker hervor. Jenes eigentlich Seelenhafte liegt 
nun vorzugsweise im Auge, es spricht sich zwar auch 
inden Festen Formen des Gesichtes aus, aber mehr in 
den leicht bewegten Zügen und in den Farben. Die 
Sculptur, die durch die festen unbewegten Formen wirkt, 
kann von diesem Ausdrucke nur einen geringen Anklang 
geben, und sie darf daher, um einen vollständigen Aus- 
druck des Lebens zu haben, des Körpers nicht entbehren. 
Gesicht und Körper stehen aber in gewissem Sinne im 
exitgegengesetztcil Verhältnisse; und daher kann es auch 
für die Sculptur, wenn sie dem Kopfe einen mehr seelcn- 
haften Ausdruck geben will, vortheilhaft sein, den Kör- 
per leicht zu verhüllen , um die sinnliche Kraft des Kör- 
perlichen zu schwächen. Indessen sind Darstellungen 
dieser Art nicht die, in welchen sie ihre Eigenthümlich- 
keit am entschiedenstcn ausspricht; dies geschieht viel- 
mehr in denen, wo sie den ganzen Körper entblösst zeigt, 
und dafür, weil sich damit das eigenthümlich Seelenhafte 
im Gesichte nicht verträgt, etwas davon ablässt, das 
Gesicht gleichsam einen Ton tiefer stimmt, (lamivt es 
zum Körper harmonire. 
Der Ausdruck der ganzen Gestalt wird dadurch nicht 
weniger geistig und edel. Denn jenes eigenthümlich 
Seelenhafte, das im Gesichte seinen Ausdruck hat, und 
das uns allerdings im Leben das Wichtigste, in der 
Gestalt geliebter Menschen das Liebste ist, ist dennoch 
nicht ein so unbedingt Reines, sondern vielmehr ein 
Zweideutiges. Denn in diesem Eigenthümlicheil, wie es 
einerseits die Gabe und das Mittel des höchsten Heiles 
ist, liegt auch andrerseits das Egoistische, die eigen- 
willige Abweichung von der festen Regel der Natur, 
die Wfillkühr, die Sünde. Die Satzungen, die Triebe der
        

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