Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835700
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Einleitung. 
sieht auf Schwere und Cohärenz. 
Das Gesetz der Schwere 
und der Cohärenz gehört zum Wesen der unorganischen 
Natur. In der organischen ist es zwar auch, aber durch 
die inwohnende Lebenskraft aufgehoben. Für diese ist 
es daher nicht ein Wesentlich charakteristischer Zug; in 
jener aber muss es frei und selbstständig hervortreten. 
Dahin gehört ferner die Rücksicht auf Zweckmässigkeit. 
Der unorganische Steif ist selbstlos, äusserer Gewalt 
hingegeben, dienend; auch diese Eigenthümlichkeit muss 
daher in seiner künstlerischen Behandlung ausgebildet 
werden. Der Künstler muss zwar seine geistige Freiheit 
dem Stoffe leihen, aber so, dass sie in diesen sich hin- 
einlebt; sie vernichtet daher den Ausdruck der Zweck- 
mässigkeit nicht, sie adelt ihn nur. Die Zweckmässiglaeit 
muss nicht wie eine fremde Zumuthuilg, sondern wie 
ti-eiwillige Leistung an dem Werke hervortreten. Daher 
ist es denn der Baukunst angemessen, dass ihr Werk 
sich als Einschliessung eines freien, brauchbaren Raumes 
darstelle, als der Körper einer innern Seele. Der Zweck 
endlich ist seiner Natur nach ein bestimmter individueller, 
der 
denn 
auch 
dem 
Werke 
den 
Charakter 
des 
Indivi- 
duellen verleiht. Es ist leicht zu linden, wie durch diese 
Verbindung des inwohnenden Zweckes mit den Erfor- 
dernissen der Schwere und Cohärenz sich die künst- 
lerischen Ansprüche auf Einheit des Ganzen, auf 'l'l1eilung, 
auf Symmetrie, Proportion und Ilarmolüc der Thcile ent- 
wickeln. 
Es geht hieraus ferner die schwache Seite der Bau- 
kunst hervor. Denn da sie den Schein eines individuellen 
Zweckes erfordert, so ist sie auch von dessen Umfang 
abhängig; sie berührt daher das Gebiet gemeiner Nütz- 
lichkeit und steht nicht so, wie die anderen Künste, in
        

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