Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835634
Die Architektur. 49 
die der Mensch durch Erfahrung weiss, so sind alle 
in gewissem Sinne Natur naehahmend. Dass mehrere 
Steine, welche zu einem Gebäude auf einander gefügt 
werden sollen, senkrecht über einander gelegt wer- 
den müssen, und was sonst von statischen und mathe- 
matischen Gesetzen dabei vorkommt; dass bestimmte 
Töne mit einander anklingen, zu einander stimmen, und 
aufeinander folgen, sind Erfahrungen, und wenn die 
Kunst von denselben Anwendung macht, so können wir 
sagen, sie ahme diese Verhältnisse der Natur nach. Will 
man aber diese Erfahrungen Gesetze nennen, und ein- 
wenden, die Kunst folge hier nicht der Natur, sondern 
diesen Gesetzen, so ist es auf der andern Seite eben so 
sehr ein Gesetz, dass der Körper, in welchem der 
menschliche Geist erscheint, so gestaltet ist, wie wir ihn 
kennen, und dass bestimmte Handlungen diese oder jene 
physischen oder moralischen Folgen haben IIIÜSSCII- Der 
Unterschied ist daher nur der, dass die Gesetze der 
Zeit und des unbelebten Raums, als die einfachsten und 
äussersren der Natur, dem Verstande leicht begreiflich 
Sind, während sie in der weiten entwickelten Natur nur 
Versteckt vorkommen. Es ist daher bequemer die Wand 
vermittelst mechanischer Hülfsmittel, nach dem uns be- 
kannten Gesetze der Schwere aufzurichten, als im ein- 
zelnen Falle ein zufällig vorkommendes Vorbild in der 
Natur aufzusuchen. Das Gesetz aber, weshalb der 
Mensch diese bestimmte Gestalt habe, ist ein höchst 
tiefes, schwer zugängliches; warum bei bestimmten M0- 
diükationen des Alters, Geschlechtes u. s. f. bestimmte 
Modifikationen der Gestalt eintreten müssen, ist nicht 
leicht zu entwickeln. Die Curven in den Formen tief 
menschlichen Gestalt sind noch von keinem Mathematiker 
I. 4
        

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