Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835575
 Die Künste. 43 
einander und lässt sie harmonisch stimmen, um so räum- 
lichen Verhältnissen nahe zu treten, sie erfüllt sich mit 
dem Gefühle der mannigfaltigen Charakteristik und zeigt 
den Wandel der Schicksale, den Wechsel des Frohen 
und Traurigen, des Reichen und Beschränkten im Spiegel 
innerlicher Empfindung. So erhält jede der verschiedenen 
Künste in der Form und im Inhalte die Verbindung und 
Wecksehvirkurlg mit den andern. Sie bilden ein in sich 
geschlossenes Reich und stehen der Wirklichkeit ge- 
meinsam gegenüber. 
Ihr Verhältniss zur Wirklichkeit ist indessen ver- 
schieden. Scharf sondern sich von ihr die bildende Kunst 
und die Musik; jene Reinhaltung des Grundelementes, 
Welche die Bedingung des Kunstwerkes ist, wird hier 
am Strengsten gefordert, jede Verletzung dieser Regel 
Stösst das Werk in die gemeine Wirklichkeit zurück. 
Anders die Poesie. Jene Fülle gährender Kräfte, der 
Reichthum wechselnder Erscheinungen, welcher die Wirk- 
lichkeit belebt, bleibt ihr ganz; nicht ihrem Inhalte nach, 
Sondern nur durch die Form, durch äussere und innere, 
ist sie von ihr geschieden. Durch das Ausscheiden jener 
sinnlichen Elemente der trennenden Körperlichkeit und 
der verschlossenen Innerlichkeit, Welche Sich als Bild 
und Musik künstlerisch gestalten, hat der Steif seine 
Sprödigkeit und Gewaltsamkeit verloren und ordnet sich 
leicht nach seiner innern Schönheit. Die feindlichen Ele- 
mente zertrümmern die Erscheinung nicht mehr, sondern 
werden zu harmonischen Gegensätzen, und fügen sich 
in die Form der Kunst- 
Daher spricht denn die Poesie mehr als die andern 
Künste das Wesen der Dinge aus; jene Unwirkliehkeit, 
die wir als die schwache Stelle der Schönheit bezeich-
        

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