Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835567
42 Einleitung. 
und des Klanges ist die Musik, die Kunst der Vorstel- 
lung und der Sprache die Poesie. 
Reinhaltung dieser elementarischen Grundstoffe ist 
die Bedingung der Kunstschöilheit, ohne diese fallt sie 
sogleich wieder den Mängeln der Wirklichkeit anheim. 
Aber dennoch soll uns jede Kunstgattung in ihrer Weise 
ein Vollendetes Bild gewähren. Ist nun jeder Stoff für 
ein Moment der Schönheit besonders günstig, so müssen 
doch auch die andern Momente ihm angeeignet werden, 
so jedoch, dass das Einheimische auf dem Boden jeder 
Kunst das Fremde beherrscht. In der bildenden Kunst 
ist vorzugsweise das Reich des Friedens und der Ruhe, 
in der Musik das der Bewegung und der nach Aussen 
hinstrebenden Innerlichkeit, in der Poesie das der Kraft 
und Wirksamkeit. Jede aber muss sich auf ihrem Boden 
die Vorzüge der andern aneignen. Die Poesie bedarf 
des wohllautenden Wechsels und der sehnsüchtigen 
Innerlichkeit der Musik , sie theilt mit der bildenden 
Kunst die Rücksicht auf Verhältnisse, auf ruhige Ge- 
staltung, sie findet mit einem Worte in jenen beiden 
Künsten der Form die Regeln des Maasses, sie behan- 
delt und modelt sie nur nach ihrem eigenen Gesetze. 
Die bildende Kunst lässt an den Gestalten das Streben 
zeitlicher Bewegung und Entwickelung erkennen, nimmt 
aus der Musik die Form der Selbstständigkeit des Ein- 
zelnen, des Gegensatzes und der Harmonie auf, sie wett- 
eifert mit ihr in der Innigkeit der Empfindung und der 
Sehnsucht, sie durchdringt sich mit dem Ernste der Be- 
deutung und des Charakters, wie die Poesie ihn ent- 
wickelt und geht zum Pathos des Handelns und Leidens 
über. Die Musik endlich bleibt nicht bei vereinzelten Klän- 
gen stehen, sie setzt. eine Mehrheit derselben neben
        

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