Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839693
Schlussbetracht-u-xlg. 
453 
Diese Beschränkung begünstigt offenbai die Ent- 
stehung der bildenden Kunst. Um sich der Nathr so 
hinzugeben, ihre Formen empfangend aufzunehmen, sie 
mit geduldiger Ruhe organisch auszubilden , bedarf es 
eines Geistes , der nicht im hochstrebenden Freiheits- 
drange die Natur nur berührt, um sich über sie hinaus 
zu schwingen. Allein auch die bildende Kunst erfordert 
die Freiheit und Selbstständigkeit eines nicht bloss em- 
pfangenden, sondern auch reagirenileil Geistes. Der 
Geist Aegyptens ist noch zu sehr gebunden, seine Un- 
freiheit ist auch ein Mangel seiner bildenden Kunst. 
Damit die Architektur sich ausbilde, muss das Be- 
wusstsein absoluter Herrschaft des Geistes über die 
Materie, damit die Plastik und Malerei sich ganz ent- 
wickele, das Gefühl für Freiheit und Selbstständigkeit 
erwacht sein. Höhere Freiheit und Klarheit des Geistes 
muss sich mit naiver Natürlichkeit paaren , wenn die 
bildenden Künste über den Standpunkt, den sie bei den 
Aegyptern einnahmen, hinaus schreiten sollen. 
Es bedurfte hiezu eines andern, reicher ausgestatte- 
ten Volkes. Die Richtungen und Gaben, welche bei den 
frühem vereinzelt waren, mussten sich vereinigt finden. 
Die Vollkraft der Inder musste durch geistige Abstraction 
wie bei Persern und Juden geläutert, durch strenge Zucht 
und Stätigkeit, wie bei den Aegyptern, gekräftigt er- 
scheinen. Jener Geist der Sonderung durfte nicht zu ein- 
seitig uralten, nicht sich vom Boden der Natur losreissen, 
aber die hingebende Liebe zur Schöpfung durfte auch 
nicht in die Unbeweglichlzeit der todten Natur übergehen. 
Der Verschmelzung dieser Richtungen stand aber ein 
gemeinsamer Mangel der orientalischen Völker entgegen, 
der Mangel des Gefühls der Persönlichkeit, der Freiheit.
        

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