Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839650
Schlussbetrachtung. 
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zurückstehend, geben ein Bild der Ordnung und Mässi- 
gung, welches das sittliche Gefühl mehr befriedigt. 
Die andern Völker, Babylonier, Perser, Phönicier, 
Juden können in Beziehung auf bildende Kunst überall 
keinen Vergleich mit den Aegyptern ertragen. Das bildende 
Element ist bei ihnen ein fremdes, und vielleicht sind 
grade deshalb ihre einzelnen baulichen Unternehmungen 
so berühmt geworden, weil sie vereinzelt da standen, 
ungewöhnliche Leistungen in Anspruch nahmen; wie auch 
in Aegypten nur die fremdartigen Pyramiden, ilicht die 
viel schönern und zahlreichern 'l'empclbauten besprochen 
wurden. Was sich bei den Persern Eigenthümliches und 
Gefiilliges zeigt , ist nur ein späterer Reflex fremden 
Glanzes, wenn auch durch den Grundton des persischen 
Lebens gefärbt und bedingt. 
Die grössern oder geringern Vorzüge, welche diese 
Völker etwa besitzen, hängen daher überall nicht mit der 
bildenden Kunst zusammen, sondern liegen ganz auf der 
geistigen Seite. Die Handelsvölker von Babylon und 
Phönicien, ganz dem weltlichen Leben zugcwendet, in 
religiöser Beziehung abergläubisch und roh, nur durch 
Beriihrigkeit und V erschlagenheit ausgezeichnet, kommen 
selbst hier nicht in Betracht, und stehen auch in sittlicher 
Beziehung auf einer tiefern Stufe. Dagegen ist in dem 
persischen Dualismus schon eine tiefere Erkenntniss des 
Geistes zu achten, aus welcher denn auch die Keime 
reinerer verständigerer Moral hervorgingen. Dass diese 
nicht schönere Früchte trug, lag aber eben in der Ein- 
seitig-keit der geistigen Grundanschauung. Denn der 
Gedanke des Gegensatzes und Kampfes führte nur auf 
äusserliche Beherrschung, nicht auf innerliche Versöhnung, 
auf ein Nützlichkeitslcben, in welchem die Phantasie sich
        

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