Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839399
Aesthctische 
Würdigung. 
4-25 
Natur gewissermassen symbolisch zu verstehen. Stellen 
wir uns aber auf den eigenthümlich" ägyptischen Stand- 
punkt, so ist diese Symbolik keine willkürliche, sondern 
eine nothwendige. Das Schroffe muss durch diese wei- 
chen Details, das höchst Abstracte und Allgemeine durch 
diese sehr individuellen, naturgemässen Einzelheiten er- 
gänzt werden. Das Ganze wird dadurch, wenn auch 
nicht ein organisch Untheilbares, doch ein geistig voll- 
kommen zusammenhängendes; seine Einheit ist eine 
ilatürliche, wenn auch nicht im Sinne der höchsten Frei- 
heit, so doch im Sinne der unbewussten, freiwilligen 
Abhängigkeit, in welcher der Mensch zur Natur steht. 
Es ist der vollkommenste Ausdruck des eigenthümlichen 
Volkslebens, das zwar 'ein künstliches Gefüge priester- 
licher Klugheit, aber dennoch so genau, so vollständig 
aus der Natur des Landes erwachsen war, dass es bei 
den Erschütterungen von Jahrtausenden nicht wankte, 
und erst eine vollkommene Umgestaltung der Welt es 
untergrub. 
Das wahrhaft Individuelle ist aber auch allgemein, 
und so finden wir in dieser ganz nationellen und eigen- 
thümlichen Gestalt dennoch eine von allen Zeiten anzu- 
erkennende hohe architektonische Schönheit. Die Archi- 
tektur ist eben darum die früheste im Entwickelungsgange 
der Künste, weil sie der höchsten organischen Freiheit 
noch nicht bedarf. Vom Schönheitssinne erzeugt und 
ins Leben gerufen, aber von der Zweckmässigkeit ge- 
boren und genährt, bleibt in ihren Zügen stets die 
Spur dieser gröbern irdischen Mutter. Der Charakter 
des Bedingten, Rclativcn, einer darüber schwebenden, 
nicht aus dem Stoffe her-vorgehenden [lege] bleibt auch 
110011 da, wo die architektonische Form sieh der frei-A
        

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