Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-839204
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Acgyptische 
Architektur. 
tragen  Charakteristisch ist der Unterschied zwischen 
diesen menschlichen Kolossen und den pllanzenähnlicheil 
Säulen. Bei diesen Mannigfaltigkeit, Wechsel, ein heiteres 
Spiel der freien Phantasie, so Weit es im ägyptischen 
Style möglich war; bei jenen strenger Ernst, Uniformität. 
Man erkennt auch hier die Gränze, Welche die Priester- 
satzung gezogen und dem ägyptischen Wesen tief ein- 
geprägt hatte. Im Gebiete der allgemeinen leblosen 
Natur war der Phantasie eine gewisse Freiheit gestattet, 
sobald aber das menschliche , sittliche Gebiet berührt 
wurde, trat Ernst und Zwang ein. Indessen liegt dieser 
Eigenthümlichkeit des ägyptischen Wesens auch eine 
feste Wahrheit zum Grunde, denn die menschliche Natur 
ist zu bedeutend, um den bunten Wechsel zu ertragen, 
welcher in der Pflanzenwelt zu Hause ist. Sie geht sofort 
in das Wilde und Grausenhafte über, lässt sich nicht in 
den Schranken einer leichten Mannigfaltigkeit halten. 
Jedenfalls ist diese Anwendung der Pflanzenform 
höchst bezeichnend für die Richtung der Phantasie der 
Aegypter. Die Säule mit ihren beiden Irlauptgliedern, 
dem runden einfachen Stamm und dem sich erweiternden 
i) Diese Kolossalstavtuen an Pfeilern finden sich übrigens in den 
Gebäuden, welche wir vorzugsweise als Tempel zu betrachten berech- 
tigt sind, seltener. Die Gebäude des rechten Ufers in Theben haben 
sie ilicht, sondern nur die des linken, welche wahrscheinlich Grab- 
moiuuneizte waren. Ausserdeixi kommen in Aegypten meines WVissens 
wohl selbstständige grössere Kolosse, nicht aber solche Reihen von 
Kolossalstatuen an Pfeilern vor. Häufiger sind sie in Nubien. Allein 
die Monumente von Ipsambul, Derri, Girscheh, in welchen sie sich 
finden, scheinen (S. Heeren a. a. O. II. Abth. 1. S. 377.) eher 
Grabmäler als Tempel. Nur das Monument von Essabua, welches 
unzweifelhaft ein Tempel sein dürfte, hat ebenfalls solche Kolosseian 
den Pfeilern des Hofes und Herodot (II. 153.) erwähnt, dass der 
Vorhof des zur Aufbewahrung des Stieres Apis dienenden Gebäudes 
von 12 Ellen hohen Kolossen mngeben war.
        

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