Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-838961
382 
AegYPtische 
Architektur. 
Was man auch von dieser Mutlnnassung halten mag, 
so ist wenigstens gewiss, dass die Abweichung der Py- 
ramiden von den übrigen ägyptischen Bauten zu gross 
ist, um ihnen einen gemeinschaftlichen Ursprung zuzu- 
sprechen. Man hat häufig einen urgeschichtlichen Zu- 
sammenhang der Aegypter und Inder vermuthet und durch 
Aufzeigung des Verwandten in Cultus, Sitten und Reli- 
gionslehren zu begründen versucht. Auch die Pyramiden 
mit ihrer festen, nichts als wenige Kammern enthaltenden 
Resultat von Bunsens Forschungen übereinzustimmen. Andre nehmen 
eine noch grössere Zahl an. Bei dem unsichern Stande der ägypti- 
schen Geschichte mag es erlaubt sein, für jetzt noch diese Schlüsse 
zu bezweifeln. Die Annahme eines so hohen Alters widerspricht 
ganz der chronologischen Folge in der Priesterlegende, die Herodot 
uns aufbewahrt hat, ilach welcher Cheops und sein Geschlecht nicht; 
gar lange vor der Dodekarchie, jene Hyksos aber viele Jahrhunderte 
vorher herrschten. S0 wenig zuverlässig jene Chronologie sein mag, 
so fehlt es doch an einem Grunde, eine so bedeutende Entstehung, 
und zwar bei Thatsachen, die zu Herodots Zeit noch nicht so gar 
alt waren, anzunehmen. WVirklich finden sich grade in der Zeit, in 
welche die Herrschaft des Cheops und seiner Nachkommen verlegt 
wird, Spuren fortwährender Kämpfe zwischen Aethiopiern und Aegyp- 
tern. Nach Diodor (I. 60.) hatte schon einige Zeit vorher der 
Aethiopier Aktisanes Aegypten unterworfen. Nach ihm sowohl wie 
nach Herodot folgt unmittelbar auf die Nachkommen des Cheops ein 
anderer äthiopischer Eroberer Sabakon. Ist es da nicht sehr denkbar, 
dass den ganzen Zeitraum hindurch Völkerziige äthiopischen Stammes 
das reichere Aegypten bedrängten, zum Theil nur vorübergehend 
siegten, zum 'l'heil aber dort sesshaft, und,_ wie es denn nicht aus- 
bleiben konnte, durch die höhere Cultur der Einheimischen mit ihnen 
verschmolzen wurden? WVar nun gleich Cheops aus äthiopische-m 
Stanune entsprossen, so waren doch seine späteren Nachfolger eifrige 
Verehrer der ägyptischen Götter, von den Priestern derselben gelobt 
und geliebt. Den neuen Eindringlingen gegenüber, wenn auch wie 
diese äthiopischen Ursprungs, bildeten sie daher mit den Aegyvtvrn 
ein Volk und der zweite Einfall musste dazu dienen, die Erinnerung 
des ersten zu schwächen. Jene zweite äthiopische Herrschaft des 
Sabakon wurde aber nicht vergessen, weil er und die Seinigen sich 
nicht mit. den Aegyptern mischten, sondern in ihre Heimath zuriickkehrlen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.