Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-838898
Die 
Pyramiden. 
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mehr nur das einer kräftigen Stütze , wie etwa die 
Strebepfeiler an unsern gothischen Kirchen. Als Strebe- 
mauern beziehen sich diese Wände auf die Sicherung 
eines Weiten, umschlossenen, zugänglichen Raumes, und 
[laben daher nicht den ausschliessenden, feindlichen Cha- 
rakter der Pyramide. Auch War der Grund für die 
schräge Richtung der Mauer bei diesen andern Gebäuden 
ein ganz anderer; er lag augenscheinlich in der Sorgfalt 
für die Solidität, mit Rücksicht auf die steigenden WVas- 
ser des Nils, nicht, wie bei den Pyramiden, in dem blossen 
Luxus der Anhäufung grosser Massen. Wenn daher 
auch eine Verwandtschaft beider Formen da sein mag, 
so ist sie eine entfernte, welche mit der Verschiedenheit 
des Reichen, Mannigfaltigen und Schönen von starrer 
Rohheit sehr wohl bestehen kann. Der alte Ruhm der 
Pyramiden, das Geheimniss, welches auf ihnen ruht,-der 
kolossale Luxus und der geschickte Gebrauch mechani- 
scher Hülfsmittel, endlich ihre wunderbare Stellung an 
der Gränze der fruchtbaren bewohnten WVelt und der 
tödtenden Wüste, alles dieses verschafft ihnen eine blei- 
bende Bedeutung  Er darf uns aber nicht hindern, ihnen 
in Beziehung auf den_ aesthetischen Werth architektoni- 
4') wWorin ist doch die unbeschreibliche Kraft. des Eindruckes 
nbegründet, den der Anblick der Pyramiden auf unsere Seele macht? 
wSie kommt nicht aus dem Gewicht und Umfang der hier aufgehäuf- 
wten Werkstücke, solidem sie beruht auf dem Gedanken, den der 
"Geist des Menschen andern Menschen verständlich hineinlegte. Die- 
wSGT Gedanke ist Ewigkeitß S0 Schubert, Reise. Th. 2. S. 195. 
Es ist blass der Gedanke des hlonumentalen, der ihn darin bewegt, 
das nunabiveisbare Bediirfniss unseres Wesens, seine Wirksamkeit, 
mvie die Schwingen eines über dem Zukiinftigen brütenden Adlers 
"weit hinaus über das Leben der Zeit zu breiten." Der Gedanke 
der Kunst überhaupt, der in ihren rohen Anfängen am deutlichsten 
hervortritt.
        

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