Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-838882
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Aegyptisclne 
Architektur. 
gegen sind einladend, geöffnet; freie Höfe, Säulengänge, 
geschmückte weite Hallen folgen einander. Bei jenen 
überdies eine starre Einförmigkeit, bei diesen der reichste 
Wechsel verschiedener Formen. Jene erinnern kaum an 
etwas Natürliches, diese ahmen, wie wir unten näher 
sehen werden, in der Gestaltung ihrer Säulen, die runden, 
völligen Formen, die heitere Mannigfaltigkeit der Pflan- 
zenwelt nach. N lll' in einer Beziehung ist eine Verwandt- 
schaft beider vorhanden. Auch jene andern Gebäude 
haben, wenigstens im Aeussern, nicht senkrechte, sondern 
schräge, abschüssige Mauern. Namentlich hat man wohl 
die beiden grossen Flügelgebäude , an den Eingangs- 
thoren der Tempel und Paläste, die s. g. Pylonen, abge- 
stumpfte Pyramiden genannt, und im mathematischen Sinne 
des Wortes sind sie das auch wirklich. Allein ihrer 
aesthetischen Bedeutung nach tragen sie einen ganz an- 
dern Charakter. Die Neigung der Seitenllächen der Py- 
ramiden übersteigt nur um wenige Grade die Hälfte eines 
rechten Winkels, sie gestattet, dass man sie wie einen 
Berg ersteige, und das Auge wird daher gleich genöthjgt 
sie mit Rücksicht auf ihre Spitze zu würdigen. Die Ab- 
weichung der Aussenmauern an den Tempeln und nament- 
lich auch an den Pylonen von der senkrechten Linie ist 
dagegen eine ganz geringe, kaum so stark wie an den 
steilsten Wällerl unserer Festungen, ein Ersteigen ist 
nicht wohl möglich. Wollte man diese schrägen Wände 
lbrtführen, bis sie sich zu einer Spitze vereinigten, so 
würde das Gebäude alles menschliche Maass weit über- 
steigen; der kühnsten Phantasie kann es nicht einfallen, 
daran zu denken. Die schräge Linie dieser Mauern giebt 
(laher keinesweges das Gefühl einer, wenn auch nur an- 
gedeuteten und begonnenen Concentration, sondern viel-
        

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