Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-838322
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Aegypter. 
und führt uns daher auf Vergleiehungen und Beobach- 
tungen, die uns zu neuen Bildern hinziehen. Es entsteht 
der Prozess der Anreihung metaphorischer Vorstellungen, 
den wir bei der jüdischen Poesie in seiner höchsten 
Lebendigkeit beobachteten, und der, wenn auch nicht im 
gleichen Maasse, bei allen warmfühlenden und empfäng- 
lichen Naturen statt finden wird. Soll nun aber das Bild 
iixirt, ein bleibendes, schriftliches Symbol für einen Ge- 
danken werden, so setzt dies eine zweite Kraft voraus, 
welche der vorstellenden Phantasie gleichsam Einhalt 
thut, ihr nur das erste Bild gestattet. Jede Bildcrschrift 
zeigt daher schon eine eigenthümliche Verbindung von 
Beweglichkeit und Ruhe. Noch viel auffallender wird aber 
diese Verbindung, wenn das Bild nur die Stelle eines 
Buchstabens vertreten soll. Aller Empfindungen, Vor- 
stellungen, Gedanken, ja der Vorstellung des dargestell- 
ten Gegenstandes selbst sollen wir uns entschlagen, um 
nur den Buchstaben festzuhalten, und ein anderes gleich- 
gültiges Wort daraus zu bilden. Es gehört eine gewisse 
Kälte und Gleichgültigkeit gegen die Dinge dazu, die 
nicht leicht mit der ursprünglichen Wärme des Gemüths, 
die das Bild herbei führte, zu vereinigen ist. YVir sehen 
also in dieser Schreibart eine Neigung und Bereitwillig- 
keit zu bildlichen Darstellungen und Beziehungen, ver- 
bunden mit einer folgsamen Verzichtleistung auf alle 
Regungen der Phantasie, welche sich daraus entwickeln. 
Dass die Nation sich diesem Zivange fügte, dass sie 
nicht, wie es so nahe lag, zur Einführung einer wirk- 
lichen Buchstabenschrift überging, sondern jene unnatür- 
liche Schrift Jahrtausende lang beibehielt, ist ohne Zwei- 
fel ein höchst merkwürdiger und bezeichnender Zug des 
ägyptischen Charakters. Alle jene Vorschriften zur Re-
        

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