Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-838185
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Aegypter. 
bestimmten Geschlechtern 
einer Gottheit von Männern aus 
gewartet, mit kostbaren Speisen gefüttert, gesalbt und 
gebadet wurden. Auch an andern Orten wurden derglei- 
chen einzelne 'l'hierindixriduei1 gehalten, doch scheint der 
Apis bei weitem das grösseste Ansehen gehabt zu haben. 
Er war von eigenthiimlicher Gestalt, schwarz mit einem 
weissen Dreieck auf der Stirn und andern Kennzeichen; 
wenn er starb, so entstand allgemeine Trauer, die sich 
in Freude auflöste, wenn die Priester seinen Nachfolger 
gefunden hatten.  
VVelche Lehren die Priester zur Erklärung dieses 
Thierdienstes gaben, wie sie denselben mit einer "übrigens 
verfeinerten und rationellen Cultur zu verbinden wussten, 
ist historisch nicht zu ermitteln. Allein, welches auch 
ihre Auslegungen sein mochten, so erkennen wir in die- 
sem Cultus eine eigenthümliche Erstarrung des Symbols 
und die Vermischung des Sinnlichen mit dem Abstracten. 
Ohne Zweifel hatte der Thierdienst seinen ersten Ur- 
sprung in den Ansichten roher Völker, welche sich die 
geheimnissvolle Macht der Gottheit durch das Bild eines 
Thieres anschaulich machten. ,Nachdem man aber bei 
höherer Bildung den Göttern menschliche Schicksale und 
Gestalten gegeben hatte, konnte die Beziehung auf das 
Thier nur eine symbolisch -metaphorische Bedeutung 
haben. Wenn man nun dennoch diese Symbole im eigent- 
lichsten Sinne verehrte, sie sogar in einzelnen lebenden 
Thierindividuen verkörpert glaubte , so lag darin ein 
phlegmatisches Vergessen , der bereits aufgefundenen 
höhern Deutung , ein Fixiren des Symbolischen zum 
Wirklichen , was den Aegyptern ganz eigenthümlich 
scheint. Den Juden verschwindet das Bild, welches die 
Phantasie ihnen vorstellt, sofort wieder, um einem andern
        

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