Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-837605
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Juden. 
sondern lange mit Granatäpfeln verzierte Ketten, welche 
nur an den Kapitälen der Säulen hafteten, und von ihnen 
aus um das ganze Haus umher liefen; ein für uns fremd- 
artiger Schmuck, der aber den übrigen Verzierungen des 
Ganzen nicht unangemessen ist. 
Es ist nicht unwahrscheinlich , dass diese Säulen 
eine symbolische Beziehung hatten , weil man ihnen 
eigene Namen gab. Die zur Rechten hiess Jachin d. i. 
Fest, die zur Linken Boas d. i. Stark. Ohne Zweifel 
bezogen sich diese Namen nicht bloss auf die Dauerhaf- 
tigkeit der Säulen. Wir wissen aus vielen Beispielen des 
alten Testamentes, dass die Juden Namen von religiöser 
Bedeutimg liebten; auch diese Namen, Jachin und Boas, 
zumal da sie ebenfalls an Personen vorkommen, werden 
daher auf Jehova zu deuten sein, Fest d. i. dem der 
Herr Festigkeit verleiht, Stark, dessen Stärke Er aus- 
macht. Bei der Verschiedenheit dieser N amen ist nicht 
wahrscheinlich, dass beide Säulen ganz gleich gestaltet 
gewesen, indessen iindet sich darüber keine Andeutung. 
Rücksichts des Ortes ihrer Aufstellung, nahm man früher 
an, dass sie vor der Vorhalle, etwa wie die Obelisken 
vor ägyptischen Tempeln gestanden hätten. Neuere For- 
scher sind davon abgegangen, und denken sie sich als 
tragende Säulen am Eingange der Vorhalle zwischen den 
Seitenmauern derselben. Die Analogie späterer architek- 
tonischer Sitte unterstützt diese Annahme, und die Worte 
des biblischen Urtextes sind vielleicht nicht dagegen. 
Aber schon die Stelle, wo in den alten Beschreibungen 
dieser Säulen gedacht ist, ferner der Umstand, dass man 
sie besonders benannte, endlich auch eine gewisse archi- 
tektonische Consequenz, scheinen dennoch für die ältere 
Ansicht zu sprechen. (S. übrigens die Beilage.)
        

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