Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-837470
Sculptur. 
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Vergleichen wir diese persische Kunst mit der indi- 
schen, so ist zwar beiden der Mangel einer tiefen durch- 
geführten Individualität gemein. Besondere Charaktere 
finden wir nicht ausgebildet, bei den Persern selbst fast 
noch weniger. Ihrer Religion fehlte der mythiseh-poetisehe 
Bestandtheil, und in der Wirklichkeit liess das Ceremoniel 
des Lebens freie Bewegung nicht aufkommen. Dagegen 
halten sie sich bestimmt und bis in das Detail an die 
Natur, während jene sich auf einem durchaus idealen 
Boden befinden, der ihnen die Wirklichkeit fast unkennt- 
lich macht. Wenn auch die Ungunst des Schicksals uns 
fast keine schriftlichen Urkunden der Perser erhalten hat, 
so waren sie keinesweges wie die Inder ungeschichtlich. 
Den König umgaben seine Schreiber, um seine Worte 
und Thaten aufzuzeichnen und in den Archiven nieder 
zu legen. Natürlich Wurden diese Aufzeichnungen nicht 
zu einem geistigen Werke, und der Gedanke freier Ge- 
schichtsehreibung blieb dem Einerlei eines despotisehen 
Hofes fremd. Allein immerhin war hier doch ein der 
Wirklichkeit angehöriges Element erhalten. Es hing zu- 
samrnen mit der Wahrheitsliebe, Welche den Ormuzd- 
dienern frühe eingeprägt wurde, dass sich ihre Phantasie 
nicht in so wildem Spiel gehen lassen durfte. Daher 
linden wir eine Entstellung des Bekannten überall nicht; 
eine Häufung menschlicher Glieder wäre der Wahrheits- 
liebe, dem Gefühl für das N aturgemässe, welches in allen 
Geschöpfen, ohngeachtet der gefährlichen Beimischungen 
Ahrimans, von Ormuzd herrührt, entgegen gewesen. Die 
Vorstellung von der Gottheit war eine geistigere und 
höhere, sie duldete gar kein Bild. Die Lehre des schroffen 
Gegensatzes war keiner poetischen Auffassung fähig, 
kein dichterischer Mythus konnte entstehen. Die Phantasie
        

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