Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-837464
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Perser. 
über Indien, eine Schrift, die zwar Wegen ihrer Unglaub- 
haftigkeit verrufen ist, aber ohne Zweifel nicht Erfindungen 
des Verfassers, sondern Sagen enthält, die er bei seinem 
langen Aufenthalte am persischen Hofe vernahm. Bei Aelian 
linden wir nun die Thiere, deren phantastische Bilder uns 
in Persepolis begegnen, meist eben so als wirklich in Indien 
lebend beschrieben. „Der Greif, a berichtet Aelian nach Kte- 
sias, „ist ein vierfüssiges indisches Thier, es hat Klauen 
„eines Löwen, sein Rücken ist mit Flügeln bedeckt; Kopf 
„und Schenkel sind wie die des Adlers, er nistet auf den 
„Bergen und wohnt in den VVüsten, wo er das Gold 
nhütet." Auch jenes andere 'l'hier, das am Eingange der 
Treppe steht, die Stiergestalt mit Menschenantlitz wird 
von ihm nahebei beschrieben als in Indien hausend, nur 
dass er dem Leibe nicht die Gestalt des Stieres, sondern 
des Löwen giebt m). Diese Thiere galten daher nicht für 
Phantasiebilder oder für etwas Ueberirdisches, sondern 
sie repräsentirten nur eine entfernte, feindliche, schauer- 
liehe Wirklichkeit, und bezeichneten daher den Gegen- 
stand des grossen Kampfes, zu welchem der persische 
Krieger und Ormuzddiener berufen war, oder die voll. 
brachte Bändigung dieses feindlichen Elements M). 
i) S. Heeren a. a. O. S. 210. Er nennt es Martichoras, wel- 
ches der Menschenwürger heissen solle. 
Äbi") Die einzige zugleich ideale und phantastische Gestalt persi- 
scher Kunst ist nicht in Tschihniilar, sondern in den Ruinen des 
Gebäudes unfern des Cyrus Grabes gefunden. Ein grosses vereinzeltes 
Relief zeigt nämlich eine 7 Fuss hohe männliche Gestalt, mit kurz 
gelocktem Barte, nach Art ägyptischer Statuen vorwärtsschreitend, 
mit einem faltenlosen, engen Gewande bekleidet, mit einer Kappe, 
aus der zwei gewundene Hörner hervorgehen, und endlich mit vier 
grossen, cherubimartig nach oben und unten gestellten reichgeliederten 
Flügeln. Die Beziehung dieser Gestalt zu andern IWTSiSChen Vorstel- 
lungen ist noch nicht näher festgestellt, die Arbeit wird von Ker Porter, 
der sie sah, griechischer Kunst würdig gehalten. Ritter VIII. 946.
        

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