Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-837015
Malerei. 
187 
selbst jene Beschreibung des Gemäldes in der Sakontala 
auf eine wirklich" künstlerische Behandlung der Malerei 
schliessen lässt. Auffallend ist es, dass kein Maler, son- 
dern eine Jungfrau das Bild anzufertigen beauftragt ist; 
da auch in den andern Fällen die Frauen das Bild ihrer 
Geliebten malen, so scheint die Malerei vorzugsweise 
weibliche Arbeit zu sein. Noch auffallender ist, dass die 
Jungfrau jenen landschaftlichen Anforderungen des Kö- 
nigs Duschmanta auf der Stelle genügen soll und dazu 
sogleich das Farbengeräthe holt, wenn gleich eine eifer- 
süchtige Laune der Königin dazwischen kommt. Endlich 
befindet sich auf diesem Bilde das Portrait der Sakontala, 
obgleich ilach dem. Gange des Stücks die Malerin sie 
nicht füglich gesehen haben kann. Wir haben daher wohl 
alle Ursache an einer wirklich künstlerischen Ausbildung 
der Malerei zu zweifeln. In neuerer Zeit findet eine soL 
che jedenfalls nicht statt. Zwar werden sehr zierliche 
llliniaturen in Indien gemalt, aber ohne irgend einen 
Anspruch auf Charakter oder Naturwahrheit, ohne Er- 
findung und Geist, von steifer seelenloser Zeichnung, 
ohne Perspektive, nur auf bunten Farbenschmuck berech- 
net; eine fabrikmässige, vielleicht wie es auch bei den 
alten Indern schien , vorzugsweise weibliche Arbeit, 
künstlich ohne Kunst, den chinesichen Malereien nicht 
unähnlich. 
Es kann dies nicht laefrelndeil, denn wenn wir auch 
in der Empfänglichkeit für landschaftliche Natur, in der 
zugleich auf Musik und auf das Ebenmaass der Gestalt 
gerichteten Eiltwickelung des Schönheitssinnes, selbst in 
der Ausbildung des Dramais Zügc haben, welche auf 
eine gewisse malerische Anlage schliessen lassen, so 
fehlt doch gradc das, was diese Anlage zur Kunst machen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.