Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-836968
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Indien. 
Bildes nimmt nicht völlig dasselbe Gebiet ein, wie die 
der poetischen Vorstellung, und die Thätigkeit des bil- 
denden Vermögens beginnt erst da, wo diese vollendet 
hat. Auch bei den Griechen waren Homer und I-Iesiod die 
Vorgänger und Lehrer der plastischen Kunst, 
diese dadurch in ihrer Freiheit litt. Nicht also 
ohne dass 
in diesem 
Verhältnisse, sondern in der Verschiedenheit der geistigen 
Richtung beider Völker liegt die Ursache des abweichen- 
den Resultates. Bei den Griechen sind schon die Dichter 
plastisch, sie zeichnen die Gestalten bestimmt, mensch- 
lich, individuell. Deshalb konnten denn auch die Bildner, 
indem sie von den Poeten lernten, über ihre Vorstellun- 
gen hinaus gehen. Sie nahmen das Plastische aus den- 
selben an, streiften das LTngeheuerliche und Phantastische 
ab, und strebten frei nach ihrem eigenen Ziele, ohne von 
jenen sich loszusagen. Bei den Indern dagegen können 
wir den Mangel des plastischen Sinnes schon in den 
Dichtern erkennen. Schon ihre Charaktere sind nicht scharf 
ausgeprägt 
feindlichen 
und unterschieden. Mit Ausnahme der erklärt 
und bösen Gestalten sind sie meistens in 
ziemlich gleicher Temperatur von Edelmuth, Weisheit, 
sanftem Sinn und Thatkraft gehalten. Höchstens von den 
Frauen erhalten wir ein lebendiges und eigenthümliches 
Bild. Die meisten Figuren werden auch in der Poesie 
durch Aeusserlichkeiten, durch die Situation, durch eine 
willkürliche Begabung, durch Rang, Gefolge und dergl. 
charakterisirt. Der Mangel an individuell plastischer Auf- 
fassung ist aber in der Poesie vielweniger nachtheilig, 
weil sie nicht auf vereinzelte Gestalten angewiesen ist, 
sondern ihre wesentlichste Schönheit in den Verhältnissen 
derselben zu 
recht fühlbar. 
einander ruht; er wird in der Plastik erst 
In diesem Mangel liegt aber auch der Grund
        

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