Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-836942
Indien. 
gesprochen werden. Beides aber ist der weichen Ruhe 
des indischen Schönheittsbegriffes fremd, und die Vor 
schiedenheit geistiger Wesen konnte (iahcr plastisch nur 
durch äusserliche und symbolische Zusätze angedeutet 
werden. So unterscheidet sich hier der Gott von den 
Menschen nicht durch die höhere, geistigere Bildung 
seiner Gestalt, sondern durch kolossale Dimension, un-l 
natürliche Vermehrung der menschlichexl oder Vertauschung 
derselben mit thierischen Gliedern. Mehrere Köpfe und 
Arme, oder das Elephantenhaupt auf dem menschlichen 
Körper geben nicht das Gefühl einer Wahrhaft höhern 
Natur, sondern nur einer äusserlich anhaftenden grössern 
Macht. Unter den Göttern selbst werden wiederum die 
verschiedenen Individualitäten weniger durch die Formen, 
als durch die hergebrachten Attribute dargestellt. 
Wo der Ausdruck der Charaktere ungenügend ist ,r 
kann auch der Ausdruck der momentanen Handlung nur 
schwach sein, denn jener ist der Ausgangspunkt für die- 
sen. Es kommt aber noch dazu, dass die Richtung auf 
das Weichliche und Schlatfe, welches der indischen 
Kunst eigenthümlieh ist, die volle Entwickelung der hau. 
delnden Kraft nicht gestattet. Sie liebt. daher die Dar- 
stellung ruhiger Momente und auch da, wo sie Kämpfe 
oder sonst mehr bewegte Scenen darstellt, behält sie 
einen Zug der Ruhe bei, welcher den Weichen Formen 
harmonisch ist, und nicht unangenehm milde erscheint. 
Damit hängt denn auch eine gewisse Unveränderliclr 
keit der Auffassung zusammen. Bei andern Völkern, be- 
sonders bei den Griechen, erkennen wir verschiedene 
Perioden der plastischen Auffassung, in denen bald das 
Allgemeine und Ruhige, bald das Individuelle und Be- 
wegte, bald das Gewaltsame und Heftige, bald das VVeiche
        

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