Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-836881
Indien. 
auf andere Weise gegeben werden. Nach den Beschrei. 
bungen in den Gedichten, zeichnen sie sich vor den 
Menschen nicht bloss durch ihre Grösse aus , sondern 
auch dadurch, dass sie keinen Schatten werfen, ihre 
Augen starr und ohne Blinzeln sind, ihre Füsse den Boden 
nicht berühren, dass sie endlich (und diese Bemerkung 
bleibt nicht leicht unerwähnt) frei sind von Staub und 
Schweiss. Sie tragen kostbaren Schmuck und unverwelk- 
liche Kränze. An ihren Wagen tönen die Räder nicht, 
unfühlbar ist es, wenn sie die Erde berühren, kein Staub 
steigt von ihnen auf. In den Bildwerken wird die über- 
menschliche Macht der Götter in ihrer Gestalt durch 
eine Vermehrung der Glieder ausgedrückt. Brahma und 
Vischnu werden vierköplig und mit einer Verhältniss- 
mässigen Zahl der Arme dargestellt, auch dem Siva wer- 
den bald vier bald fünf Gesichter beigelegtii), doch 
kommt er auch mit einem Kopfe, dann aber dreiäugig 
mit einem Auge auf der Stirne vor. Selbst Ravanais, der 
Tyrann von Ceylon und Gegner Ramais, also ein feind- 
licher Dämon, wird mit zehn l-Iäuptern und zwanzig Armen 
dargestellt. Bei andern Gottheiten wird die Kraft dumh 
einzelne Glieder mächtiger Thiere angedeutet; Vischnu 
kommt einige Male mit dem Kopfe des Löwen und des 
Ebers vor, und der Gott Ganesa wird stets mit einem 
Elephantenkopfe abgebildet. Wir können aus allen diesem 
schon die charakteristische Eigenthümlichkeit des indi- 
schen Schönheitssinnes entnehmen. Er ist rege und 
empfänglich, aber er neigt sieh zum Zarten und Weich- 
liehen. Der Begriff von Kraft ist nicht mit dem der 
Schönheit verbunden, es bedarf daher symbolischer Zu- 
sätze, um die Vorstellung des Mächtigen zu erwecken, 
Bohlen 
230. 
207:
        

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