Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-836571
Grottentelnpel. 
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liegt schon in der Natur der Sache, dass die rohe und 
harte Arbeit in dem natürlichen Felsen der eigentlichen 
Baukunst vorher gegangen sein muss; denn man kehrt 
dazu nicht zurück, wenn man erfahren, wie sehr viel 
leichter es ist, in gehauenen Steinen zu arbeiten, und 
wenn sich der Sinn an die Regelmässigkeit, die sich im 
Grottenbau nicht völlig erreichen lässt, gewöhnt hat. 
Besonders gilt dies von den auch äusserlich behauenen 
Felsentempeln , welche kaum anders wie eine Vorarbeit 
des noch unbekannten Baues gedacht werden können. 
Schon im Ramayaxia , also fast 1000 Jahre vor un- 
serer Zeitrechnung , linden wir die ausführliche Be- 
schreibung einer Stadt, aus der sich ergiebt, dass man 
den überirdischen Prachtbau und allen Luxus des Lebens 
wohl kannte. Sie glänzte von Tempeln, die Kuppeln der 
Paläste ragten wie Felsengipfel empor, die Mauern waren 
geschmückt mit bunten Steinen, wie die Felder eines 
Sehachbretts Ü. Die Grottentempel müSsen daher für älter 
mals unbekannt war; und dass es, wenn man es auch noch so ge- 
ring annehmen wollte, immer in den Anfang unserer Zeitrechnung 
fallen würde. Malte-Brun. Geogr. 2. Aug. I. 465. Ilulnboldt, über 
die Kawi Sprache. I. 181, 293, 305. 
 v. Bohlen II. S. 102. Dagegen ist angeführt worden, dass 
in den epischen Gedichten sich keine Anspielungen auf diese Grot- 
tentempel finden, dass in ihnen die Gegenden des Dekan noch als 
uncultivirt, nur mit einzelnen brahlnaniselien YVeisen, unter wilden" 
Völkern wohnend, geschildert werden, dass dagegen die Sculpturen 
dieser Felsentempel in unmittelbarem Bezug auf den Inhalt der Ge- 
dichte steilen. Man schliesst daraus, dass diese älter sein müssen, 
als jene (Kugler Ilaudbuch S. 100). Indessen beruheten ohne Zwei- 
fel diese Gedichte auf älteren Sagen, ihrer letzten Redaction wird 
mündliche Ueherlielk-rung vorhergegangen sein, und noch jetzt giebt 
es im Dekan wilde Völker-schuften, unter denen einzelne brahinanische 
Einsiedler lebennkünnten. Aus dem Stillsehiveigen des Gedichtes 
über Gegenstände, die seinem Zwecke fremd waren. darf man wohl 
nicht so bestimmte Schlüsse ziehen.
        

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