Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-836080
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Einleitung. 
Es ist hierdurch begreiflich wie der Entwickelungs- 
gang der Künste mit dem des äussern Volkslebcns in 
Einklang stehen kann und muss. Die Lebensdauer der 
Kunst ist kürzer als die des Volkes; sie gehört weder 
dem rohen Knabenalter noch der Periode der letzten Al- 
tersschwäche an, sondern dem Zeitpunkte jugendlicher 
Reife und edler Männlichkeit, ein Product des Selbstge- 
Fühls der Völker. 
Es zeigen sich daher in ihrem kürzern Dasein die 
notlnvendigen Entwickelungsstufen mehr zusammen ge- 
drängt, und nicht überall genau mit denen des allgemeinen 
tVolkslebens gleichzeitig. Auch bringen die besonderen 
Gesetze der einzelnen Künste im Verhältnisse zu dem 
ihnen mehr oder Weniger geneigten Volksgeiste; Ver- 
schiedenheiten der Dauer und der WVechselwii-kung hervor. 
Im Wesentlichen aber schliessen sich dennoch diese Pe- 
rioden des Kunstlebens an die des Volkslelaens an. Daher 
sind denn auch die Künste, ungeachtet ihres harmlosen 
Charakters, nicht ohne bedeutende Rückwirkung auf" das 
politische Leben, dem sie bald Bestärkung in klarer 
männlicher Festigkeit, bald Verleitung zum Wcichlicheil 
und Auflösenden werden können. Rücksichtigt man nun 
endlich darauf, dass auch die andern, geistigen oder 
äusserlichen Thätigkeiten, kriegerische und friedliche, 
wissenschaftliche und industrielle eben so wie sie im 
Allgemeinen auf den Volksgeist influiren, so auch im 
Einzelnen auf gewisse Künste Einfluss ausüben und von 
ihnen empfangen, so öffnet sich uns ein Bild eines ver- 
wickelten und überaus künstlichen Organismus vielfach 
sich durchkreuzender Wechselwirkungen , Welche alle 
mehr oder weniger mit der Kunst und ihrer Geschichte 
in Verbindung stehen. Es liegt in der Natur der Sache,
        

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