Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835998
Die 
Kunst 
in 
der 
Geschichte. 
85 
erreicht hatte, und das Ziel ist ein gemeinsames, nach" 
dem alle streben. Allein wenn schon in andern geistigen 
Beziehungen der Fortschritt nicht als ein stätiger und 
ununterbrochener erscheint, indem von Zeit zu Zeit 
geistige Momente sich geltend machen, Welche bisher 
vernachlässigt waren, und gleichsam nachgeholt werden 
müssen, so fällt dies bei der Kunst vorzugsweise ins 
Auge. Denn der Eintritt eines neuen Prinzips führt die 
Zerstörung der auf ein älteres gegründeten Civilisation, 
und damit eine chaotische Verwirrung herbei, in welcher 
die gröbern Bedürfnisse lange Zeit alle Kräfte in An- 
spruch nehmen, und der Kunstsinn schlummert.   
Dennoch ist aber auch die Kunst solcher ungünstigen 
Zeiten der Beachtung wohl werth, sowohl in Beziehung 
auf das Wesen der Kunst an sich, als für die Geschichte 
überhaupt. Denn in der Zerstörung und im Wiederaufbau 
der Kunst lernen wir ihr Wesen von einer Seite kennen, 
Welche in den Zeiten ihrer Blüthe nicht ans Licht kam. 
WVie man in krankhaften Zuständen des menschlichen 
Ürganismns die Wirksamkeit und Bedeutung einzelner 
Theile genauer erfährt, als bei voller Gesundheit des 
ganzen Körpers, oder wie man, wenn die Mauern ab- 
gebrochen, die Construction der Fundamente, auf denen 
das Gebäude bisher so fest ruhete, untersuchen kann, 
so zeigt sich auch in solchen Perioden geringerer Kunst- 
pflege deutlicher der Zusammenhang des -Kunsttriebes 
mit den übrigen Anlagen des Geistes, die unzerstörbare 
Wurzel, aus welcher die frühere Blüthe hervorwilchs 
und eine künftige wieder aufschiessen wird. Ebenso 
wichtig ist aber die Betrachtung solcher minder günsti- 
gen Zeiten für die allgemeine Geschichte. Denn auch in 
Solchen Zeiten ist die Kunst. so unvollkommen und ver-
        

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