Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835970
Die 
Kunst 
in 
d er 
Geschichte. 
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eine Schöpfungslehre und nlithin eine, wenn auch rohe 
Verbindung der sinnlichen Welt mit einem geistigen 
Urwesen zum Grunde liegt. Wenn mm Sinnliches und 
einseitig Geistiges überall die trennenden, feindlichen 
Mächte sind, durch Welche der Zwiespalt im Menschen 
entsteht, wenn jedes von beiden ihn mehr einseitig fest- 
hält als ganz erfüllt, so ist die Religion die eigentliche 
Seele des Volksgeistes, in ihr spricht sich sein indivi- 
dueller Charakter aus, und je nachdem sie überwiegend 
zum Materiellen oder Spirituellen hinneigt, wirdgauch 
jede seiner Aeusserungen diesen einseitigen Charakter. 
haben.  
Auch die Kunst gehört zu den ilothwendigen Aeusse- 
rungen der Menschheit; ja man kann vielleicht sagen, 
dass in ihr der Genius der Menschheit, sich noch voll- 
ständiger und eigenthümlicher ausspreche, als in der 
Religion selbst, weil in dieser immerhin die Form des 
Gedankens oder doch des xiergeistigten Gefühls vor- 
herrscht, während in der Kunst auch die sinnliche Natur 
vollkommen mit aufgenommen und befriedigt ist. Kein 
Volk ist daher auch ganz ohne Kunst, sie findet sich 
unbewusst ein; aber freilich sind bei Weitem nicht alle 
Völker im Besitze der ganzen Kunst oder aller Künste, 
keines vielleicht hat alle mit gleichem fGlücke- geübt. 
Wir finden einige Völker, bei denen zwar die Anfange 
aller Künste vorkommen, aber so, dass das künstlerische 
Treiben nur ein unklares und erfolgloses ist, weil es 
noch nicht völlig aus der Verwirrung des sinnlichen 
Lebens heraus tritt. In der Baukunst mischen sich z. B. 
mit dem- eigentlich Architektonischen bildliche Elemente, 
die dann eben deshalb nicht zur selbstständigen Ent- 
wickelung kommen; die Poesie ist noch nicht ein freies
        

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