Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste bei den Alten: Die Völker des Orients
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-834627
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-835901
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Einleitung; 
es auch nicht das Bedüriiiiss fühlt, sie in Worten aus- 
zusprechen. Es bedarf aber doch der Schule, durch 
welche es jene strengeren architektonischen Elemente 
der Schönheit, wie sie im Laufe der Jahrhunderte in 
jeder der drei Künste angewendet sind , sich ancignet 
und in sich verarbeitet. 
Eben wegen dieses Gegensatzes der Kunst gegen 
die Wirklichkeit, der für uns Spätlinge verdeckt und 
verdunkelt ist, ist dann der Zugang aus dem Leben zu 
der Kunst ein langer und schwieriger. Deshalb bedarf es 
der Jahrhunderte, in welchen kindische und rohe Ver- 
suche auf die Kunst hindeuten, ohne dass das Werk der 
Architektur entstehen und später die Plastik lmd die 
Malerei daraus hervorgehen kann. 
Ueberhaupt haben wir hier das Gebiet der Kunst 
und namentlich der bildenden Kunst nur äusserlich, gleich- 
sam geographisch, begränzt und beschrieben. Die höchsten 
Gipfel ihrer Leistungen zu erreichen, uns an der Kraft 
des Genius zu erfreuen, war unsere Aufgabe hier nicht, 
sondern nur die Grundlage zu bezeichnen, von welcher 
er ausgehen muss und umvillkührlich durch den edlen 
Instinkt seiner Natur ausgeht. Wir sahen, dass die Kunst 
keinesweges eine Nachahmung des Wirklichen, sondern 
eine- neue Schöpfung ist. Weil sie dies ist, von Men- 
schon und für Menschen, muss sie in weiser Beschrän- 
kung von der Fülle der Wirklichkeit abstrahiren und 
eines ihrer Elemente in seiner Reinheit und Strenge zum 
Stoffe machen, indem sie arbeitet. In diesem Stoffe aber 
soll die Fülle des Lebens, das Höchste und Tiefste sei- 
nen Ausdruck linden; es wird daher das Ungewölmlighste 
und das Schwerste gefordert, die Vereinigung entgegen- 
gesetzter Ansprüche. Da leuchtet es denn ein, dass nicht
        

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