Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048088
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Malerei des XV. Jahrhunderts. 
Plorentinar. 
kleiner, nackter Flügelkinder (Putten) aus, welche als Gefährten des 
Christuskindes, als Sänger und Musikanten und als stets dienliehe 
Füll- und Zierfiguren die Kunstwerke jener Zeit beleben. 
Die höchste Freude der Kunst war es, wenn sie der Natur Wie- 
der eine sprechende Bewegung, einen lebensvollen Moment mehr, und 
zwar auf schöne WVeise abgewann; sie suchte gerade dasjenige, wel- 
chem die Nordländer aus dem Wege gingen. Einstweilen erfährt man 
noch wenig von anatomischer Erforschung der Menschengestalt; aber 
ein rastlos beharrliehes Anschauen des täglichen Verkehrs klärte die 
Künstler auf über das Warum? jeder Bewegung und jedes Ausdrucks; 
das Studium des Nackten und der Perspeetive, die man aus dem 
Nichts schaffen musste, that das Übrige. 
So erwuehs eine Malerei, welche sich nicht mehr auf Intentionen 
und Andeutungen zu beschränken brauchte, sondern der Darstellung 
jeder Thatsache, jedes sinnlichen oder geistigen Vorganges gewach- 
sen wer. 
In Florenz knüpft sich die grosse Neuerung an den Namen des 
Masaecio (1401-1443). Unter der Einwirkung des Ghiberti, Do- 
natello und Brunellesco, welche in der Sculptur das neue Princip ver- 
traten, führte er dasselbe in die Malerei ein, wo es seine Wahren Siege 
erkämpfen sollte. Eine Jugendarbeit, die er in Rom übernahm, die 
aFresken in S. Olemente (Cap. vom Seiteneingang rechts; Passion, und 
Legende der heil. Catharina), zeigen in ihrer starken Übermalung nur 
Anklänge dessen, was Masaccio über die Nachfolger Giottds empor- 
hebt; in einigen der besser erhaltenen Köpfe regt sich wenigstens ein 
yersönlicheres Leben.  Der ganze Meister oEenbart sich erst im Car- 
hmine zu Florenz (Cap. Brancacci, am Ende des rechten Quer- 
sehiifes), wo er die von Masolino da Panicale begonnene Freskenreihe 
weiter zu führen hatte. Wie Masolinds Eva (im Sündenfall) eine der 
ersten, ganz schönen nackten Frauengestalten der modernen Kunst ist, 
so sind lillasaceids 'l'äuflinge (in der Taufe Petri) die ersten völlig 
belebten männlichen Acte; schon vollkommen ist die Linienführung 
zweier nackten und bewegten Gestalten (in der Vertreibung aus dem 
Paradiese) gehandhabt. Auch in den übrigen Bildern strömt eine bisher
        

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