Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048078
Die neue Auffassung. 
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ein Hauptverdienst der Florentiner ist. Rom zohrte fast ganz von 
auswärtigen Künstlern, Perngia empüng seine Inspiration zuerst von 
Florenz und Siena und leistete auf seinem Höhepunkt gerade für das 
Dramatisch-Historische wenig; Neapel kommt nicht in Betracht.  
Toscana allein bietet eine grosse, monumentale Geschichtsmalerei dar, 
in gesunder, ununterbrochner Weiterbildung, mit fortlaufender Seiten- 
wirkung auf das Tafelbild, welches sonst wohl vorzeitig in verfeinerter 
Niedlichkeit untergesunken wäre. 
Die Gegenstände waren, mit Ausnahme der hinzukommenden Pro- 
fanmalerei, die alten: das ruhig symmetrische Gnadenbild, die Ge- 
schichten der Bibel und die Legenden der Heiligen; endlich das häus- 
liche Andaehtsbild. Allein sie sind alle umgestaltet. Von den einzelnen 
Personen behält Christus im Biannesalter am meisten von dem bis- 
herigen Typus; der Gekreuzigte erhält eine bisweilen sehr edel durchge- 
bildete Gestalt und einen Ausdruck, den z. B. die Schulen des XVII. 
Jahrh. vergebens an Tiefe zu überbieten suchten. Die grösstc Ver- 
Sinderung geht mit der Madonna vor; W031i bleibt sie in einzelnen 
feierlichen Darstellungen die Himmelskönigin, sonst aber wird sie zur 
sorgliehen oder stillfröhlichen Mutter, und vertauscht sogar die alt- 
übliche Idealtracht mit Mieder und Häiubchen des Italiens der Renais- 
sance; das Bild der häuslichen Scene vollendet sich, indem der le- 
bendig und selbst unruhig gewordene Christnsknabe den längst er- 
sehnten Gespielen erhält an dem kleinen Johannes. In dieser irdisch 
umgedeuteten Existenz findet denn auch der Ptlegevater Joseph erst 
seine rechte Stelle; ein häuslicher und doch nicht kleinbürgerliche)? 
Ton lmd Klang beginnt all die früher so feierlichen Scenen zu durch- 
dringen: die Verkündigung, die Visitation, die Anbetung der Hirten, 
die Geburt der IMaria, die des Johannes u. s. w. Gewiss wurde dem 
Beschauer das Ereigniss jetzt viel mehr nahe gelegt und vergegen- 
wärtigt; ob die Andacht dabei gewann oder verlor, ist eine andere 
Frage.  Auch der Himmel füllt sich mit sprechend individuellen Kö- 
pfen imd Gestalten an, zu beginnen vom Gottvater in pelzverbramtem 
Recke; alle Seligen und Engel dienen jetzt nicht mehr unpersönlich 
der grossen symmetrischen Glorie des Ganzen, sondern jede Figur ist 
interessant für sich. Von den erwachsenen Engeln (die oft eine sehr 
tlorentinische Tracht erhalten) scheiden sich nunmehr die Schaaren
        

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