Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048065
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Malerei des XV. Jahrhunderts. 
Das Presco. 
allein von allen mit der Antike abgeh und doch, wie wir sehen werden, 
eigentlich kaum mehr als das Ornamentistische aus derselben ent- 
lehnte. Es konnte gar nicht im Geist einer mit so unermesslichen 
Kräften vorwärtsstrebenden Kunst liegen, sich irgend ein Ideal von 
aussen anzueignen; sie musste von selbst auf das Schöne kommen, 
das ihr eigen werden sollte. 
Als Gabe des Himmels besass sie von vorn herein den Takt, die 
äussere Wirklichkeit nicht in alles Detail hinein, sondern nur soweit 
zu verfolgen, dass die höhere poetische VVahrheit nicht darunter litt. 
Wo sie an Detail zu reich ist, sind es nicht kümmerliche Zufällig- 
keiten des äussern Lebens, sondern Schmuck und Zierrath an Ge- 
bäuden und Gewändern, die den Überschuss ausmachen. Der Ein- 
druck ist daher kein ängstlicher, sondern ein festlicher. Wenige geben 
das Bedeutende ganz gross und edel; viele verfangen sich in der 
Phantasterei, welche dem XV. J ahrh. überhaupt anhängt, allein die 
allgemeine Höhe der Formbildung giebt ihren Einfüllen eine geniess- 
bare und selbst erfreuliche Gestalt. 
Alle diese Fortschritte wären, wie einst diejenigen der Schule 
Giottds, bei einer Beschränkung auf das Andaehtsbild und Tafelbild 
unmöglich gewesen. Abermals ist es Florenz, von wo das neue Licht 
einer grossartigen Historienmalerei ausstrahlt, die mit ihren Fres- 
ken i) die Wände der Kirchen, Kreuzgänge und Stadthiiuser über- 
zieht. Keine andere Schule kann von ferne neben diesem Verdienst 
aufkommen; die lombardisehe blieb in dem engen Ideenkreise der 
Gnadenbilder und Passionsbilder befangen; die venezianische schloss 
kein wahres Verhältniss zum Fresco und beschränkte sich lange auf 
Altarbilder und Mosaiken; rechnet man den grossen Andrea Mantegna 
hinzu, so ging er auch in den Wandmalereien (zu deren Schaden) 
über das reine Fresco hinaus, dessen höchst solide Handhabung gerade 
1) Bis auf Giouo wurde  laut jetziger Ansicht  nur in Tempera auf die 
Blauer gemalt; von Giotto an wurde in FPPSCO untermalt und a1 secco darü- 
bergemalt; erst soit Ende des XIV. JaIu-h. begann die eigentliche Fresco- 
maicrei im engem Sinne. x
        

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