Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048038
Malerei des XV. Jahrhunderts. 
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(SXQ 
In den ersten Jahrzehndcn des XV. Jahrh. kam ein neuer Geist 
über die abendländische Malerei. Im Dienst der Kirche verharrend, 
entwickelte sie doch fortan Principien, die zu der rein kirchlichen 
Aufgabe in keiner Beziehung mehr standen. Das Kunstwerk giebt 
zunächst mehr als die Kirche verlangt; ausser den religiösen Be- 
ziehungen gewährt es jetzt ein Abbild der wirklichen Welt; der 
Künstler vertieft sich in die Erforschung und Darstellung des äussern 
Scheines der Dinge und gewinnt der menschlichen Gestalt sowohl als 
der räumlichen Umgebung allmiilig alle ihre Erscheinungsweisen ab. 
(Realismus) An die Stelle der allgemeinen Gesichtstypen treten 
Individnalitäten; das bisherige System des Ausdruckes, der Geberden 
und Gewandungen wird durch eine unendlich" reiche Lebenswahrheit 
ersetzt, die fiir jeden einzelnen Fall eine besondere Sprache redet 
oder zu reden sucht. Die Schönheit, bisher als höchstes Attribut 
des Heiligen erstrebt und auch oft gefunden, weicht jetzt der all- 
bezcichnenden Deutlichkeit, welche der erste Gedanke der neuen Kunst 
ist; wo sie aber sich dennoch Bahn macht, ist es eine neugeborene 
sinnliche Schönheit, die ihren Antheil am Irdisehen und Wirklichen 
unverkürzt haben muss, weil sie sonst in der neuen Kunstwelt gar 
keine Stelle fände. 
In diesem Sinne giebt jetzt das Kunstwerk weniger als die 
Kirche verlangt oder verlangen könnte. Der religiöse Gehalt nimmt 
eine ausschliessliche Herrschaft in Anspruch, wenn er gedeihen soll. 
Und diess aus einem einfachen Grunde, den man sich nur nicht immer 
klar eingestcht; dieser Gehalt ist nämlich wesentlich negativer Art 
und besteht im Fernhalten alles dessen, was an profane Lebensbe-
        

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