Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048007
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Malerei des germanischen Styles. 
Piesole. 
am Grabe;  Mariä. Krönung;  und die Anbetung der Könige, 
eine späte und reiche Arbeit, die vielleicht einen Wetteifer mit Ma- 
saceio verräth.) Der iiberquellende Reichthum an den schönsten und 
naivsten Köpfen ist gepaart mit einem Geist und einer Tiefe in der 
Auffassung der Thatsachen, wie sie nur den grössten Meistern eigen 
aist.  Die Fresken in den Gängen (der Gekreuzigte mit S. Dorninicus, 
sehr dem Bild im vordern Kreuzgang entsprechend,  der englische 
Gruss,  und eine thronende Madonna) sind gegenwärtig, da. das 
Kloster theilweise als Caserne dient, mit Brettern bedeckt. 
Wie Fiesole für eine schon mehr öffentliche Andacht malte, zeigt 
bsieh an den Fresken des vordern Kreuzganges zu ebener Erde. Es 
sind fünf spitzbogige Lunetten mit Halbiiguren (worunter Christus 
mit zwei Ordensheiligen besonders schön ist); ferner Christus am 
Kreuz mit dem heil. Dominicus, lebensgross; endlich das berühmte 
cFrescobild des anstossenden Capitelsaales: der Gekreuzigte mit den 
beiden Schächern, seinen Angehörigen und den heiligen Cosmas, Da- 
mianus, Laurentiils, Marcus, Johannes d. T., Dominicus, Ambrosius, 
Augustinus, Hieronymus, Franciscus, Benedict, Bernhard, Bernardino 
von Siena, Romuald, Petrus Martyr und 'l'h0mas von Aquino. Es ist 
eine schmerzliche Klage der ganzen Kirche, welche hier in ihren 
grossen Lehrern und Ordensstiftern am Fuss des Kreuzes versammelt 
ist. So lange es eine Malerei giebt, wird man diese Gestalten wegen 
der unerreichten Intensivitiit des Ausdruckes bewundern; Contraste 
der Eingebung, des Schmerzes, der Verzückung und des ruhigen in- 
nerlichen Erwiigens (in S. Benedict, der die Schaar der übrigen Or- 
densstifter wie ein Vater überschaut) werden wohl nirgends mehr 
wie hier als Ganzes zusammenwirken. 
Es ist eine bedeutende Thatsache jener unvergesslichen Jahr- 
hunderte der Kunstgeschichte, dass mehrere der grösstcn Künstler ihr 
Bestes und Meistes in späten Lebensjahren, wenigstens erst nach dem 
fiinfzigsten Jahre gaben. Lionardo war nahe an diesem Alter, als er 
sein Abendmahl in Mailand schuf  Giovanni Bellinfs herrlichste Bilder 
stammen aus seinen achtziger Jahren; Tizian und Michelangelo haben 
als Greise noch das Staimenswiirdigste hervorgebracht. Es existirt 
aus dem XVI. Jahrh. ein vielverbreiteter kleiner Stich, welcher einen 
alten Mann in einem Riiderstuhl für Kinder darstellt, mit der Bei-
        

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