Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047832
Symbolik. 
Ihre Unfreiheit. 
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fältig und schön durchgeführtes Werk, aber vollkommen aus der Buch- 
phantasie, nicht aus der Künstlerphantasie entstanden, wesshalb es 
denn auch eines Buches zur Erklärung bedarf. Wie anders deutlich 
und ergreifend spricht der "frionfo della morte. Wie anders gross- 
artig hätte sich auch das Bild der Kirche symbolisch geben lassen! 
Freilich im Kloster von S. lilaria novella hätte sich auch ein Orcagna. 
einem gegebenen dominicanischen Programm aus guten Gründen ohne 
Widcrrede gefügt. .  
Diese theologisirende Phantasie hat noch mehr als einmal der 
Kunst den echten Gestaltungstrieb verleidet. Man sehe bei Pietro di 
Puccio (Camposanto) Gott als Schöpfer und Herrn der Welt darge-a 
stellt. Es ist eine riesige Figur die einen ungeheuern Schild mit den 
concentrischen Himmelssphären vor den Leib hält; unten schauen die 
Füsse hervor. Somit ist freilich jeder Gedanke an eine Iinmanenz 
Gottes in der Welt beseitigt I). 
Oder die Glorie des heil. Thomas von Aquino, auf einem Altarb 
links in S. Caterina zu Pisa, von einem gewissen Francesco Traini 
(an sich ein geringes Bild). Hier sollte die geistige Einwirkung, 
welche der Heilige von verschiedenen Seiten empfangen und auf die 
Gläubigen ausgeübt, symbolisch dargestellt werden. bDer Maler (oder 
sein Rathgeber) machte diese auf die leichteste Weise mit goldenen 
Strahlen ab. Von dem oben angebrachten Christus geht je ein Strahl 
auf jeden der sechs Apostel und drei auf den in der Mitte thronon- 
den S. Thomas; von jedem Apostel und von den Weiter unten stehen- 
 Wie reh auch jene grosse Zeit noch bisweilen sein konnte, zeigt das Wie- 
derauftaucben der absurdesten symbolischen Nothbehelle des frühem Mittel- 
alters. An der Oberschwelle der Seitenthür von SS. Annunziata in Arezzoä 
sind die vier Evangelisten zwar als menschliche drapirte Halbliguren, aber 
mit den Köpfen ihrer Embleme dargestellt. (Noch Spinello wagte Dasselbe 
zu malen, in einem jetzt untergegangenen Fresco.)  Auch das allzu um- 
ständliche Verhältniss des Evangelisten zur Feder ist schon ein frühmittel- 
alterlieher Nolhbelzell", den z. B. Bartolo von Siena wieder aufgrilf (dortige i! 
Aead, erster Gang); Mareus spitzt seine Feder, Lucas besieht Sie, Matthäus 
taucht sie ein, nur Johannes schreibt. Wer hierin tiefere Bezüge ündet, dem 
darf man die Freude nicht verderben. Mit andern Eigenheiten ging auch 
diese von Siena auf die Peruginer über und kommt bei Pinturiechio von 
Neuem zum Vorschein.
        

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