Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047816
Symbolik. 
Weltgerichtsbilder. 
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ten Übermaler wesentlich verändert). Die Hölle ist an beiden letzter-n 
Orten mit oifenbarem Anschluss an Dante nach Schichten oder Bulgen 
eingetheilt, in welche die einzelnen Siinderclassen nach Verdienst ein- 
geordnet sind. Ich überlasse es einem Jeden, über Dante's Unter- 
nehmen, über diess eigenmächtige Einsperren der ganzen Vor- und 
Mitwelt in die verschiedenen Behälter seiner drei grossen Räume zu 
denken wie er will; nur möge man sich im Stillen fragen: wo hätte 
er dich wohl hingethan? Es ist nicht schwer, diejenigen verschiedenen 
Höllenbirlgen im Gedicht nachzuweisen, wohin z. B. die meisten jetzigen 
Anbeter des Dichters selbst zu sitzen kämen. Aus dem Gedichte 
spricht nur zu oft der Geist der unerbittlichen, unauslöschlichen Zwie- 
tracht, Welcher das Unglück Italiens verschuldet hat. Auch in dem 
symbolischen Inhalt überhaupt, so schwer und künstlich er verarbeitet 
ist, liegt, wie gesagt, nur der culturgesehiehtliche, nicht der poetische 
Werth der Divina Ccmmedia. Der letztere beruht wesentlich auf der 
hohen, plastischen Darstellungsweise der einzelnen Motive, auf dem 
gleichmässig grandiosen Styl, wodurch Dante der Vater der neuern 
abendländischen Poesie wurde. 
Die Malerei konnte sich von dieser Seite seines Wesens nur 
einen Theil aneignen; das Schön-Episodische fiel in den Höllenbildern 
weg, und es blieb nur die Gruppirung nackter Körper nach Abthei- 
lungen als künstlerisch dankbares Element übrig. In dem Bilde des 
Camposanto ist denn auch die eine Gruppe der zusammengekauerten,a 
die aneinander nagen, von vorzüglicher Bedeutung. Das Bild in 
S. Maria novella dagegen, welches Vollständigkeit des I-Iöllencyclusb 
bezweckt und desshalb nur kleine Figuren enthält, ist künstlerisch so 
viel als nichtig. 
Das Weltgericht selber bleibt von Dante frei, wie sich von selbst 
versteht. Die Kunst des XIV. Jahrh. zeigt sich hier in ihrer Be- 
schränkung gross; sie verzichtete im Wesentlichen darauf, das Raum- 
lose räumlich, das Passive körperlich und dramatisch interessant zu 
machen; in regelmässigen Schichten von Köpfen drückte sie diesseits 
Jubel und Seligkeit, jenseits Jammer und Verdammniss colleetiv aus; 
nur mässig aber bedeutend gewählt sind ihre Episoden; in dem Bilde 
des Camposanto ist z. B. ein Zug der echtesten Symbolik die Gruppec 
der von Teufelshänden gepackten Frauen, welche die Andern (nicht 
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