Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047793
Allegorien. 
S. Francesco zu Assisi. 
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der Unterkirche von Assisi u. a. eine wirkliche Vermlihlungsceremonie a 
des heil. Franciscus und einer Figur welche die Armuth darstellt ah- 
zuschildern; beim Dichter bleibt der Vorgang Symbol und der Leser 
wird darüber keinen Augenblick getäuscht; beim Maler wird es eben 
doch einefllrauung, und wenn er noch so viele Winke und Beziehun- 
gen ringsum aufhäuft, wenn auch Christus dem heil. Franz die Armuth 
zuführt und es dabei geschehen lasst, dass zwei Buben sie misshan- 
deln, wenn auch ihr Liunenkleid in Fetzen geht u. dgl. m. Die Ver- 
pflichtung zur Armuth als eine Vermählung mit ihr zu bezeichnen, ist 
eine Metapher, und auf eine solche darf man gar nie ein Kunstwerk 
bauen, weil sie als Metapher, d. h. „Übertragung auf eine neue fm- 
girte XVirklichkeit" im Bilde ein nothwendig falsches Resultat giebt. 
Wenn spätere Künstler z. B. die mit der Zeit an den Tag gekommene 
Wahrheit darstellen wollten, so kam dabei ein absurdes Bild zu Stande 
wie folgt: ein nackter geflügelter Greis mit Stundenglas und Hippe 
deckt ein verhülltes Weib auf!  Sobald man eben die allegorischen 
Figuren in sinnliche Thätigkeit versetzen muss, ist ohne die Metapher 
beinahe gar nichts auszurichten und mit ihr nur Widersinniges. Auch 
die übrigen Allegorien des Mfittelgewölbes der Unterkirche von Assisi 
sind an sich so barock als die des XVII. Jahrhunderts. Da verscheucht 
die Busse mit einer Geissel die profane Liebe und stürzt die Unrei- 
nigkeit über den Fels hinab. Die Keuschheit sitzt wohlverwahrt in 
einem Thurm; die Reinigkeit wascht nackte Leute und die Stärke 
reicht das Trockentuch dar. Der Gehorsam, von der zweiköpfigen 
Klugheit und der Demuth begleitet, legt einem Mönch ein Joch auf; 
einer der anwesenden Engel verjagt einen Centauren, womit der Ei- 
gensinn, d. h. die phantastische Capricc, gemeint ist. Ohne den tiefen 
Ernst Giottoäs, der auch hier nur das Nothwendige und dieses so 
deutlich als möglich,  ohne alle versüssende Coketterie  ausdrückt, 
würden diese Scenen profan und langweilig wirken 1).  
Die Kunst empfand das Ungenügende aller Allegorik auch recht 
wohl. Als Ergänzung schuf sie z. B. jene meist dem Alterthum ent- 
nommenen Repräsentanten der allgemeinen Begriffe, und gesellte Sie 
1) In den ersten Abschnitten des Vasari wird noch mancher Allegorien aus jetzt 
nicht mehr vorhandenen Werken umständliche Erwähnung gelhan. 
B. Cicerone.  49
        

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