Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047774
Das Übersinnliche. 
Glorien. 
Symbolik. 
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Kein Etfect des Lichtes und des Raumes könnte den echten, gross- 
artigen Charakter dieser Theophanio irgend erhöhen. 
Oder (ebenda) Maria Himmelfahrt, von Symone: drei Engel aufs 
jeder Seite, und zwei stärkere, männliche Engel unten tragen und 
halten den Rand der Mandorla, liu Welcher die Jungfrau ihrem Sohn 
entgegenschwebt. Glaubt man ihr nicht viel eher, dass sie wirklich 
schwebe und ein iibcrirdisches Dasein habe als jenen zahlreichen Ma- 
donnen der letzten Jahrhunderte auf den mit zerstreuten Engeln be- 
siieten Vvolkenhaufen, mit Lichteffect und Untcnsicht?  Das Schweben 
wird aber überdiess in der Schule Giotto's nicht selten so anmuthig 
und feierlich dargestellt, dass man die vollendete Kunstepoche vor 
sich zu haben glaubt. Es sind in Orcagnais Wcltgerieht zwei Engehh 
die bis auf Rafael schwerlich mehr ihres Gleichen haben. 
Ausser den biblischen und legendarischen Stoffen erging sich aber 
die Schule noch in freien, grossen symbolisch-allegorischen 
Bildern und Bilderkreisen. Sie hing dabei, wie oben bei Anlass der 
Sculptui- (S. 572) angedeutet wurde, von einer gelehrt literarischen 
und poetischen Bildung ab, welche der stärkere Theil und durch einen 
Genius wie Dante repräsentirt war. Schon bei dem grosscn Dichter 
aber darf man sich wohl fragen, ob er durch seine Symbolik oder 
trotz derselben gross ist. Dieselbe war nicht durch und mit Dichtung 
und Kunst entstanden wie im Alterthum, sondern Dichtung und Kunst 
mussten sich ihr bequemen. Bei Dante freilich liegt Alles untrennbar 
durch und in einander; er ist ebensosehr Gelehrter und 'l'hcolog als 
Dichter. Der Künstler dagegen War hier auf etwas ausser seiner 
Sphäre liegendes angewiesen, er musste dienen, und that es mit hei- 
ligem Ernst. XVir aber sind nicht verpflichtet, die Empfindungsxivcise 
einer zwar strebenden, aber doch nicht harmonischen Zeit und noch 
viel weniger ihre zu einer wunderlichen Encyclopädie geordneten 
Bildungselemente zur Norm für uns selber zu machen; vielmehr muss 
hier neben dem Ewigen, das jene Kunst schuf und dem wir ganz 
folgen können, auch das Vergängliche und Befangene anerkannt werden. 
Die Allegorie ist zunächst die Darstellung eines abstraeten 
Begriffes in menschlicher Gestalt. Um kenntlich zu sein, muss sie in 
Charakter und Attributen diesem Begriff möglichst zu entsprechen 
suchen; nicht immer kann man durch eine Beischrift nachhelfen. Ich
        

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