Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047695
Colorit. Pormenbildung. Gewanduug. Raum. 759 
wirkten. Giotto selbst hat einen durchgehenden kenntlichen Typus bei 
Männern und Frauen, nicht unangenehm, aber ohne Reiz. (Ein Nor- 
malbild für seine Art der Formengebung und des Ausdruckes ist die 
gfoöse Madonna in der florcnt. Academie, vorzüglich in Betreff äefe 
Profilkölafe der Engel. Ausscrdem das Bild in S. Croee. Er indiVi-b 
dualisirt fast am Meisten in seiner frühsten Hauptarbeit, den Freskßrlv 
der Arena.) Bei beiden Gaddi kehrt das starke Kinn fast regelmässig 
Wieder (Oap. Baroncelli in S. Croce, Ineorcnata in Neapel etc.; sonstd 
ist für Taddeois Formenbildimg im Detail hauptsächlich die grosse 
herrliche Grablegung in der florent. Acudemle zu vergleichen). Andrea e 
Oreagna geht zuerst auf eigentliche Holdseligkeit aus (Cap. Strozzi inf 
S. hierin. novella), aber durchaus nicht immer, wie denn in dem Welt- 
gericht des Campesanto eine mehr derbe, entschiedene Bildung vor-g 
herrscht. Das Individualisiren ist bald leiser, bald naehdrücklicher; 
vielleicht am ubsichtlichsten bei Ant. Veneziano. Spinello, welcher 
überhaupt oft roh zeichnet und an den Stellen, auf welchen kein Ac- 
cent liegt, sich auch bis in die äusserste Fleuhcit gehen lässt, hat in 
seinen Köpfen am Wenigsten Einnehmendes.  Der Sinn für Schön- 
heit, für Melodie, könnte man sagen, concentrirt sich hauptsächlich in 
der Gewandung, welche bei den heiligen Personen eine wesentlich 
ideale ist, so wie das Mittelalter sie aus der altehristlicheu Tradition 
übernommen hatte. Sie ist nicht nur der deutliche und nothwendige 
Ausdruck der Haltung und Bewegung, sondern sie hat noch ihre be- 
sondere, oft. unübertreifliche Linienschönhcit, die den Ausdruck des 
Würdigen und Heiligen wesentlich erhöht. (Glatteis Abendmahl im h 
ehenxal. Refectorium zu S. Croce möchte wohl das vollkomrnenste 
enthalten.) 
Der Raum ist durchgängig ideal gedacht, und nicht etwa wegen 
"Kindheit der Kunst" (die ja hier die grössten Aufgaben löst) un- 
perspectivisch gegeben. _Die Maler wussten recht wohl, dass unter so 
kleinbogigen Kirchenhallen, zwischen so niedrigen Stadtmauern, Pfor- 
ten, Bäulnen, auf einem so steilen Erdboden etc. keine solchen Men- 
schen sich bewegen könnten, wie die ihrigcu sind. Allein sie gaben 
was zur Verdeutlichung des Vorganges diente und dieses anspruehlos 
und schön (der Dom von Florenz als Symbol einer Kirche, Cap. d.i 
Spagnuoli bei S. hierin novella), meist in Linien die mit der Ein-
        

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