Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047678
Fresken in Rom und Neapel. 7 57 
feldern Darstellung der sieben Sacramente in ihrer Ausübung, im 
achten (wie es scheint) eine Allegorie Christi und der Kirche. Haupt- 
werk für die Erzählungsweise in wenigen tiefgegriifenen Ziigen, und 
für die höchste, spreehendste Deutlichkeit der Darstellung. Wohl er- 
halten und bequem zu besichtigen. (Am Besten Vormittags) In der" 
Selben Kirche noch verschiedene Überreste des XIV. Jahrh, so in der 
Cap. links vom Chor am Gewölbe; die Fresken an den Wänden der- 
selben Cap. XV. Jahrhundert. 
In S. Ohiara das Gnadenbild an einem Pfeiler links, von Giotto ,a 
der einzige Rest seiner umfangreichen Fresken. 
 
Es wird vielleicht als ein unberechtigter Versuch erscheinen, wenn 
Wir nach dieser kurzen Aufzählung eine Gesammtcharakteristik der 
ganzen Schule versuchen, statt den einzelnen Meistern ihre persön- 
lichen Eigenthümlichkeiten nachzuweisen. Allein abgesehen von dem 
Gebot der Kürze wüssten wir in der That nicht anders zu verfahren 
bei Künstlern die gar keine Eigenthümlichkeit als die ihrer Schule 
Iepräsentireu wollen. Der Einzelne war hier gar nicht so frei; die 
Schule musste ihren Bilder- und Gedankenkreis in der gegebenen 
Form ganz und voll durchleben, hundert Jahre lang, ohne irgend be- 
deutende Fortschritte oder Änderungen in den Darstellungsmitteln, um 
dann vor dem Geist des XV. Jahrlr, der die Individualitäten erlöste, 
total zusammcnzubrechcn. Als Ganzes imponirt sie auch erst in vol- 
lem Masse, und zwar so, dass man sie den grössten Denkmälern 
unseres Jahrtausends beizählen muss. 
Allerdings spricht sie nicht zu dem zerstreuten oder übersättigten 
Auge; der Gedanke muss ihr entgegenkommen. Es ist dabei gar 
keine besondere vliennerschaft" nothwendig, sondern nur etwas Ar- 
beit. Nehmen wir z. B. das erste WVerk der Schule, das dem Be- 
sucher dcr Ufüzien zu Florenz in die Augen fallt, es ist Giottrfsb 
Gethsemane. (Im ersten Gange, in der Nähe der Thür.) Unfreund- 
lich, scheinbar olnie Lichteifekt, Individualisirung und Ausdruck der 
Seele, schreckt das Bild Tausende von Besuchern ohne Weiteres ab- 
Auch wenn man es mit der Loupe untersucht, wird es nicht Schöner- 
Vielleicht aber besinnt sich Jemand auf andere Darstellungen des-
        

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