Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047522
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Malerei des romanischen Styles. 
Panna. 
Je nach den Gegenden hatte der Kampf der beiden Style einen 
ganz verschiedenen Verlauf. In Venedig tritt der romanische, wie 
wir sahen, glänzend auf in den Mosaiken der Vorhalle der Marcus- 
kirche, doch nur um ebenfalls byzantinischen Rückfällen Platz zu 
amachen. In Parma enthält das Baptisterium in seinen sämmt- 
lichen Fresken (mit Ausnahme der untern, welche unbedeutend giottesk 
sind) eine der wichtigsten Urkunden des romanischen Styles; von ver- 
sehiedenen Händen der ersten Hälfte des XIII. Jahr-h. ausgeführt, 
zeigen sie besonders in den erzählenden Thcilen, am Rand der Kup- 
pel, das Eilige und Bewegte, die leidenschaftliche Geber-de, welche 
jenem noch keines physiognomischen Ausdruckes fähigen Styl damals 
eigen ist.  Einzelne meist ruhige Heiligenfiguren in Fresco, ver- 
bschieden gemischt aus beiden Stylen, findet man an der Fassade des 
Domes von Reggio (XII. oder XIII. Jahrh.),  an den Wänden von 
c S. Zeno in Verona (XII. Jahrh., hinter halb abgefallenen Malereien des 
aXIV. Jahrh. hervorschauend),  in der Vorhalle von S. Ambrogio 
zu Mailand (aus verschiedenen Zeiten), u. a. a. O. 
Bevor von Toscnna die Rede ist, fassen wir noch einmal diese 
Kunstzustände ins Auge wie sie vermuthlich sich entwickelten. Ein 
jugendlicher Styl, der Vieles zu erzählen hätte, des Ausdruckes aber 
nur in beschriinktester Weise mächtig ist, taucht neben dem rituell 
geheiligten Styl auf. Er ist noch nicht auf das Schöne und Holdselige 
gerichtet, aber er empfindet auch keine Verpflichtung auf das Morose 
und Ascctische; fast absichtslos gestaltet er seine Figuren jugendlich. 
Ebensowenig ist für ihn ein Grund vorhanden, in der bekannten Auf- 
einanderfolge byzantinischer Stellungen und Gewandmotive, in den 
bestimmten Typen heiliger Geschichten u. s. w. eine absonderliche 
Heiligkeit anzuerkennen; er gicbt Alles nach seinen eigenen Antrieben 
und schafft dabei von sich aus naturgemässere Stellungen, rund- 
iliessende Gewandung, neue hastige Ziige des Lebens. Man lässt ihn 
an dieser und jener Kirchenwand mit seinen paar Leimfarben ge- 
währen. Aber die Mosaicisten, welche ihre Technik und den byzan- 
tinisehen .Styl für unzertrennlich halten mochten, müssen es eines 
Tages erleben, dass der neue Styl man einer der römischen Patriar-
        

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