Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050588
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Moderne Malerei. 
Auch mit der Genremalerei welche besonders bei den eigeyt- 
liehen Naturalisten gedieh, dürfen wir uns nicht aufhalten. Caravag- 
gio, der Schöpfer der neuen Gattung, wählt sich zum Gefiiss der- 
selben das lebensgrosse venezianische I-Ialbfigurenbild und giebt dem- 
selben einen unheimlich witzigen oder schrecklichen dramatischen 
aInhalt auf schlichtem dunkelm Grunde. Seine-Spieler (Pal. Sciarra 
bin Rom), seine lüsterne Wahrsagerin (Gal. des Capitols), seine beiden 
cTrinker (Gal. von Modena) sind Weltbekannt; im Grunde gehören sein 
„Zinsgr0schen" und „Christus unter den Schriftgelehrten" auch hie- 
her. Diese Gattung, bald mehr zur Geschichte, bald mehr zum Fa- 
milienporträt sich hinneigend, fand rasch durch ganz Italien Anklang, 
trotz ihrer Armuth und Einseitigkeit. Die Schüler Guercins malten 
Manches der Art. Der ganze Honthorst geht vorzugsweise darin 
d auf, nur mehr nach der burlesken Seite hin. (Pal. Doria in Rom, Uf- 
efizien in Florenz, wo u. a. sein Bestes, ein Souper von zweideutiger 
Gesellschaft; Anderes in allen grössern Sammlungen.) Andere Nach- 
fahrner: Manfreddi, Manetti, Giov. da S. Giovanni (Alle im 
gPal. Pitti), Lionello Spada (grosse Zigeunerscene in der Gal. von 
lilodena);  einiges recht Gute in der Academie von Venedig, ein 
h Lautenspieler mit Weib und Knabe, eine Gruppe von drei Spielern 
(etwa von Carlo Saraceni? welchem die t-reffliche Figur eines Lau- 
itenspielcrs im Pal. Spinola zu Genua angehört.) Andere gehen ins 
harmlose Existenzbild zurück; der Capuccino und Luca Gier- 
k dann malen Köchinnen mit Geflügel (Pal. Brignole in Genua; Pal. 
lDoria in Rom); der Calabrese aber, vielleicht wie die Letztge- 
nannten von Niederländern inspirirt, schuf ein grosses stattliches Con- 
m cert in ganzen Figuren (Pal. Doria.  Eine gute, wirklich niederländi- 
nsche "Musik bei Tische" im Pal. Borghese).  Salvators halbe und 
o ganze Figuren sind insgemein blosse renommistische Möblirbilder. (Pal. 
Pitti: un poeta; un guerriero.) 
Neben diesem caravaggesken Genre gab es seit Anfang des XVII 
Jahrh. in Rom ein anderes im eigentlich niederländischen Sinn. Der 
Holländer Peter van Laar, genannt Bamboccio, Michelangelo 
Cerquozzi, Jan Miel u. m. a. nordische und italienische Maler 
haben in dieser Gattung die wahren Gesetze und Bedingungen erkannt 
und danach manches Vortrettliche geschahen. (Der Verfasser kennt
        

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