Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050528
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Moderne Malerei. 
azioni der gewissenhafteste; an der Flachkuppel der Cap. des heil. 
Bruno zu S. Martino in Neapel (die 2. l.) ist trotz der allzu gründ- 
lich gehandhabteu Untensicht das anbetende Aufwärtsschweben des 
Heiligen, die Wolke von Putten, das Concert der erwachsenen Engel 
ungemein schön und stylvoll gegeben;  an der Flachkuppel der 
2. Cap. r. dagegen hat St. der Auffassung seiner Schule seinen vollen 
Zoll entrichtet in einem Gegenstande, der über den Horizont derselben 
ging: Christus in der Vorhölle.  Ausserdem ist hier ein Maler zu 
beachten, bei welchem man sonst nicht gewohnt ist, Besseres in die- 
bser Gattung zu suchen: der Calabrese. Im Querschiff von S. Pietro 
a Majella hat er in flachen Deckenbildern die Geschichten Papst Cö- 
lestins V und der heil. Catharina von Alexandrien gemalt, diessmal 
nicht bloss mit äusserlicher Energie, sondern mit Geist und Beson- 
nenheit; beinahe würdevoll wird sein Naturalismus in dem Bilde, wo 
die Leiche der Catharina. von fackeltragenden, blumenstreuenden, sin- 
genden Engeln auf Wolken nach dem Sinai gebracht wird. 
Allein nur zu bald gestaltet sich die Gewölbemalerei zum Tum- 
melplatz aller Gewissenlosigkeit. In Erwägung, dass selten Jemand 
die physischen Kräfte habe, ein Deckenbild genau und lange zu prü- 
fen und dass man doch nur für den Gesamniteifect einigen Dank 
ernte, reducirte man sich auf denjenigen Styl, von welchem bei Anlass 
des Pietro da Cortona (S. 1017) die Rede gewesen ist. Den Übergang 
macht der gewisscnlose Lanfranco, zunächst indem er den Dome- 
cnichino bestahl (Pendentifs der Kuppel im Gesu nuovo zu Neapel, 
dauch die in SS. Apostoli daselbst, wo auch all die gleichgültigen, 
unwahren Malereien der Decke und der bessere „Teich von Bethesda" 
über dem Portal von L. sind), dann durch zuerst schiichterneres, bald 
efrecheres Improvisiren (Gewölbe und Wandlunetten in S. Martino da- 
fselbst; Kuppel in S. Andrea della Valle zu Rom). Wie er sonst das 
gÜbersinnliche anzupacken gewohnt war, zeigt z. B. sein S. Hierony- 
mus mit dem Engel (Mus. v. Neapel). Die Nachfolger bekamen nun 
nicht bloss Kuppeln, sondern Klirchengeivölbe aller Art mit Gloricn, 
Paradiesen, Assunten, Visionen zu füllen; ausser den schwebenden, 
in allen Graden der Untensicht gegebenen Gruppen und Gestalten 
setzt sich am Rande ringsum ein Volk von andern Gruppen an, wel- 
ches auf Balustraden, Absätzen u. s. w. steht, für diese schuf Pozzo
        

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