Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050483
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Moderne Malerei. 
jenen herrlichen Bildern Murillo's. Es giebt gute, in Coreggids Art 
gemeinte Mütter und heilige Familien von den Caracci, zumal An- 
anibale. Guido ist sehr ungleich; eine vorzügliche Madonna mit 
dem schlafenden Kinde soll im Quirinal sein; eine gute frühe heil. 
h Familie im Pal. Spinola, Str. nuova zu Genua; aber eine seiner wich- 
ctigsten Madonnen, die er als besonderes Bild (Brera zu Mailand, eine 
dNachahmung von Elis. Sirani im Pal. Corsini zu Rom) und dann 
eals Bestandtheil des grossen Bildes vom Pestgelübde (Pinae. zu Bo- 
logna) behandelt hat, sieht unleidlich prätentiös aus, als liesse sie das 
Kind für Geld sehen. Überhaupt wird die Mutter in dieser Epoche 
fnur zu oft eine missmuthige Custodin des Kindes (Ovalbild des Ma- 
ratta. im Pal. Corsini zu Rom); sie hat oft etwas zu sehelten, sodass 
Musikputten u. dgl. Dienerschaft nur ganz schüchtern mit einer ab- 
gemessenen Ergebenheit ihre Befehle empfangen und der kleine Jo- 
hannes sich kaum-recht herbeiwagt. Das vornehme, zurückhaltende 
Wesen, das hier den heiligen Personen zugetraut Wird (vgl. S. 1033) 
findet seine Parallele in damaligen Ansichten über den geistlichen 
Stand (Ranke, Päpste, III, 120).  Nicht umsonst fühlt man sich 
immer wieder von Sassoferrato gefesselt, dessen milde, schöne, 
gewissenhaft gemalte Madonuen ohne Ausnahme ein Mutterherz haben, 
Worüber man den Mangel an Grossartigkeit und an höherm Leben 
gvergisst. (Beispiele a. m. 0., bes. Pal. Borghese in Rom; Brera zu 
hMailand; Pal. Manfrin in Venedig; in S. Sabina zu Rom, Cap. rechts 
ivom Chor, das einzige grössere Altarbild: Madonna. del rosario, von 
ktrefflichster Ausführung;  in den Uffizicn und im Pal. Doria zu 
Rom betendc Madonnen ohne Kind, demüthig abwärts schauend, ohne 
die Verhimmelung, durch welche sich z. B. Carlo Dolci von Sasso- 
ferrato gründlich unterscheidet.)  Unter den Madomien 'der Natura- 
listen wird eines der oben (S. 1010, b) erwähnten Bilder des Pellegro 
Piola zum Besten und Liebenswürdigsten gehören; Caravaggio 
dagegen überträgt auch diese einfache Aufgabe in seine beliebte Zi- 
1geunerwelt (grosse heil. Familie im Pal. Borghese). Ähnlich Schi- 
mdone (Pal. Pallavieini zu Genua]. M aratta's Madonnen sind wie- 
derum der Nachhall des Guido.
        

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