Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050434
Marterbilder. 
Das Ceremonlöse. 
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Interesse an die Stelle des Grässlichen. (Dieselbe Scene, das beste 
Bild des Honthorst in S. M. della scala zu Rom, rechts, lässt docha 
ziemlich gleichgültig.) Andere dagegen malen so crud als möglich. 
Sujets wie der Mord Abels (von Spada, im Museum von Neape1),b 
das Opfer Isaaks (von Honthorst, im Pal. Sciarra zu Rom) werdenc 
jetzt ganz henkermässig behandelt, vorzüglich aber die Heldenthat der 
Judith, wofür eine gewisse Artemisia Gentileschi eine Art Pri- 
vilegium besass. (Ufüzien; Pal. Pitti; Pal. Sciarra); auch der Oavalier d 
Calabrese leistete das Mögliche (Mus. von Neapel). Andere, le-e 
gendarische Marterscenen übergehen wir. Durch einen sonderbaren 
Zufall war gerade die erste grosse römische Bestellung, welche Nie. 
Poussin erhielt, die Marter des heil. Erasmus, welchem dief 
Därme aus dem Leib gewunden werden. (Für S. Peter gemalt, jetzt 
in der Gal. d. Vatieans.) Er brachte ein Werk zu Stande, welches in 
Betreff des Kunstgehaltes zu den trefflichsten des Jahrhunderts gehört. 
(Kleine eigenhändige Wiederholung im Pal. Sciarra.) 8 
Während nun um der vermeintlich ergreifenden Wirklichkeit willen 
nach dieser Seite hin alle Schranken übersprungen werden, zeigen 
sich dieselben Maler (die ja zum Theil Oavaliere hiessen l) bemüht, in 
heilige Vorgänge den guten Ton und die bemessenen Formen der da- 
maligen Gesellschaft hineinzubringen. (Vgl. Parmegianino S. 969, e, d.) u 
Namentlich werden jetzt die Engel dazu erzogen, eine noble Diener- 
schaft vorzustellen, den Hof der heiligen Personen zu bilden. Im 
Refectorium der Badia bei Fiesole wird man nicht ohne Heiterkeith 
betrachten, wie Christus nach der Versuchung von den Engeln bedient 
wird; doch sieht dergleichen bei Giov. da S. Giovanni, der das 
Freseo malte, immer naiv aus. Schon viel wohlerzogener sind die 
Engel in der grossen Taufe Christi von Alb ani (Pinae. v. Bologna);i 
man erinnert sich bei ihrer Dienstfertigkeit unwillkürlich, wie auf mit- 
telalterlichen Bildern die kleiderhaltenden Engel noch Zeit und Stim- 
mung zur Anbetung iibrig haben. Putten als Lakaien ausserhalb der 
Scene wartend sieht man auf einer "Vermählung der heil. Catharina," 1; 
von Tiarini (ebenda); ausser der genannten Heiligen wohnen auch 
S. Margaretha und S. Barbara der Ceremonie bei; der gute Joseph
        

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