Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050422
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Moderne Malerei. 
haben; unter den weiblichen Charakteren und Engeln macht sich hier 
das nette, soubrettenhafte Köpfchen mit dem rothen Naschen, welches 
dem D. eigen ist, ganz besonders geltend.  Solche Beispiele mussten 
aschon in Bologna selbst Nachfolge ünden. Von Canuti, einem sehr 
tüchtigen Schüler Guidds, ist in S. Cristina (4. Alt. r.) die Misshand- 
lung der Heiligen durch ihren Vater  man sehe wie  gemalt. Auch 
Maratta, sonst Guidois treuer Verehrer, holt sich in solchen Fällen 
doch lieber seine Inspiration aus Domenichino's S. Sebastian (Marter 
bdes heil. Blasius in S. M. di Carignano zu Genua, l. Alt. 1a).  
Gueroin ist in Martyrien erträglicher als man erwarten sollte. (Gal. 
cvon Modena: Marter des heil. Petrus, Hauptbild;  Dom von Fer- 
drara, Querschilf rechts: Matter des heil. Laurentius, sehr der Restau- 
ration würdig.)  Von dem Florentiner Cigoli sieht man in den 
eUfflzien eine mit grosser Virtuosität gemalte Marter des heil. Ste- 
phanus, der bereits mit Steinen geworfen und mit Fusstritten miss- 
handelt Wird, in Gegenwart pharisäisch ruhiger Zuschauer.  Carlo 
fDo1ci's heil. Apollonia (Pal. Corsini in Rom) begnügt sich damit, 
uns die Zange mit einem der ausgerissenen Zähne auf das Niedlichste 
zu präsentiren. 
Wahrhaft abscheulich sind in solchen Fällen die eigentlichen Na- 
turalisten. Caravaggio selber zeigt uns in einem einzigen Kopfe 
schon die ganze falsche Rechnung des Naturalismus; es ist seine Mc- 
gdusa in den Uffizien gemeint. Stets begierig nach einem Ausdruck 
des Augcnblickes und schon desshalb gleichgültig gegen den tiefern 
immanenten Ausdruck (den er in der Grablegimg gar wohl erreicht), 
malt er einen weiblichen Kopf im Moment der Enthauptung; könnte 
derselbe aber z. B. beim Ausrcissen eines Zahnes nicht eben so aus- 
sehen?  Nothwendiger Weise erregt das Griissliche, wie diese 
Schule es auf-lasst, mehr Ekel als tiefes Bangen. 
Er selber sucht in einem seiner bestgemalten Bilder, dem Be- 
hgräbniss des heil. Stephanus (bei Camuccini in Rom) durch natur- 
Wahre Darstellung des unterlaufenen Blutes Grauen zu erregen; seine 
iMarter des heil. Matthäus (S. Luigi in Rom, letzte Cap. l.) Wirkt 
durch die Zuthaten fast lächerlich. Sein Schüler Valentin hat zu 
viel Geist, um ihm auf diesen Bahnen zu folgen; in seiner Enthaup- 
ktung des Täufers (Pal. Sciarra zu Rom) tritt ein physiognomisches
        

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