Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050419
Der Aüect in den Legenden. 
Die Martyrien. 
1031 
Für die Martyrien, welche zur Manieristenzeit (S. 997, f) sich von 
Neuem entschieden in der Kunst festgesetzt hatten, besass man ein 
grelles Präcedens von Coreggio (S. 955, b). Alle Maler wetteifern nun, 
nachdrücklich zu sein im Grässlichen. Der einzige Guido hat inß 
seinem bethlehemitischen Kindermord (Pinac. von Bologna) 
Mass zu halten gewusst, das eigentliche Abschlachten nicht dargestellt, 
in den Henkern Härte, aber keine bestialische Wildheit personificirt, 
die Grimasse des Schreiens gedämpft, ja durch eine schöne wahrhaft 
architektonische Anordnung und durch edel gebildete Formen das 
Grässliche zum Tragischen erhoben; er hat diese Wirkung hervor- 
gebracht ohne Zuthat einer himmlischen Glorie, ohne den verdächtigen 
Contrast des ekstatischen Schmachtens zu den Gräueln; sein Werk 
ist denn auch wohl die vollkommenste pathetische Composition des Jahr- 
hunderts. (Die Kreuzigung Petri, in der vatican. Galerie, scheint un-b 
freiwillig gemalt.)  Aber schon der sonst mild und schön gesinnte 
Domenichino, Welch ein Schlächter je nach Umständen! Anzufan- 
gen von seinem frühen Fresco der Marter des heil. Andreas (in derc 
mittlern der 3 Capellen neben S. Gregorio in Rom); war es Wahl 
oder gliicklicherer Zufall, dass sein Mitschüler Guido (gegenüber) den 
Gang zum Richtplatz darstellen und jenen herrlichen Moment treffen 
durfte, da der Heilige von fern das Kreuz erblickt und mitten im Zuge 
niederkniet?  Domenichino dagegen malt die eigentliche Marterbank 
und bedarf, um diese und ähnliche Scenen geniessbar zu machen, 
jener Zuschauer, zumal Frauen und Kinder, welche ihre Herkunft aus 
Rafaels Heliodor, Messe von Bolsena, Schenkung Roms, Tod des 
Ananias, Opfer zu Lystra etc. (S. 929) nur wenig verläugnen; von 
Domenichino aus verbreiten sich diese Motive dann über die meisten 
Werke der Nachfolger. In seiner Marter S. Sebastians (Chor vond 
S. M. degli angeli zu Rom, rechts) lässt er sogar Reiter gegen diese 
Zuschauer einsprengen und zersplittert damit das ganze Interesse. Vom 
Widrigsten, iiberdiess unangenehm gemalt, sind seine Marterbilder in e 
der Pinacoteca zu Bologna; in der Marter der heil. Agnes stimmt die 
Erdolehung auf dem Holzstoss sammt Zuthaten unsäglich roh zu all 
dem Geigen, Blasen und Harfnen der Engelgruppe oben;  die Milfter 
des S. Pietro martire ist nur eine neue Redaction der tizianischen; 
 die Stiftung des Rosenkranzes gestehe ich gar nicht verstanden zu
        

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